Klimaerwärmung könnte schneller als angenommen erfolgen

Schon eine gering erhöhte CO2-Konzentration in der Atmosphäre könnte dank Rückkopplungseffekten zu einer 30-50 Prozent höheren globalen Temperatur führen, als bislang angenommen wurde

Ein neues Klimaabkommen ist in Kopenhagen kläglich gescheitert. Unangenehme verschiebt man. Kann nur sein, dass man dadurch anders als in der virtuellen Welt irreversibel die Möglichkeit verpasst, riskante Prozesse zu begrenzen oder abzuwenden.

Klimaforscher der Yale University gehen nach ihrer in Nature Geoscience veröffentlichten Studie davon aus, dass die Zunahme der CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre, wie sie derzeit beobachtet werden kann, sich sehr viel stärker auf die globalen Temperaturen auswirken kann, als man bislang annahm. Im frühen Pliozän 4,5 Millionen Jahren hatte nach den Berechnungen der Wissenschaftler eine schon geringe Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre eine beträchtliche Erhöhung der Temperaturen zur Folge.

Die Simulationen der Klimasensibilität im Pliozän, der letzten Wärmeperiode, die mit der gegenwärtigen vergleichbar sein soll, dienen als Modell für die Folgen der jetzt steigenden CO-Emissionen. Jetzt geht man davon aus, dass eine Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu einer Erhöhung der globalen Temperaturen von 1,5 bis 4,5 Grad führt. Das könnte aber zwischen 30 und 50 Prozent zu wenig sein, vermuten die Wissenschaftler.

Die bisher benutzen Modelle berücksichtigen nur wenige schnelle Feedback-Mechanismen wie Veränderungen im Wasserdampf oder die Verteilung von Meereseis, Wolken und Aerosole. Für ihre Berechnungen zogen sie langfristige Rückkopplungen wie die Veränderungen der Eisbedeckung der Kontinente, der terrestrischen Ökosysteme und der Freisetzung von Treibhausgasen heran. Danach war die Erderwärmung, die sich durch die Erhöhung der CO2-Konzentrationen vor 4,5 Millionen Jahren ergeben hat, 2-3 Grad über der jetzigen globalen Temperatur, obgleich die CO2-Konzentrationen nur zwischen 365 und 415 ppm lagen, also ähnlich wie die heute war (386 ppm).

Wenn die Veränderung der CO2-Konzentration und die dadurch ausgelösten Rückkopplungen im Pliozän die treibende Kräfte der Klimaveränderung waren, was allerdings nur erst eine Hypothese ist, dann wäre die Klimasensibilität nach den Forschern höher als bislang angenommen. Für das Pliozän wäre die Folge einer Verdoppelung der CO2-Konzentration für das frühe Pliozän (vor 4,2 Millionen Jahren) eine Erwärmung um 8,7 (+/-1,3) Grad und das mittlere Pliozän (vor 3,3 Millionen Jahre) um 7,1 (+/- 1,0) Grad.

Damit würde sich das Klima durch verschiedene Rückkopplungen aufgrund schon gering erhöhter CO2-Konzentrationen schneller als gedacht erwärmen können. Das 2-Grad-Ziel, das nun im zur Kenntnis genommenen Klima-Abkommen vereinbart wurde, könnte also viel zu tief angesetzt sein. Aber in der Klimaforschung wird natürlich mit vielen Hypothesen, Wahrscheinlichkeiten und Analogien sowie auf längere Zeitspannen gerechnet. Das scheint die Realpolitiker zu weit entfernt zu sein, deren Annahmen zwar auch nicht besser begründet sind, aber zumindest kurzfristigere Interessen bedienen.