Klimakonferenz: Ehrgeiziges Ziel

(Bild: pixel2013 / CC0)

Die internationale Staatengemeinschaft legt sich gegen den Willen der USA darauf fest, die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius beschränken zu wollen. Doch an den notwendigen Maßnahmen fehlt es trotz äußerst knapper Zeit noch immer

Nachdem ein guter Tag überzogen wurde, ist am gestrigen Samstagabend die UN-Klimakonferenz im polnischen Katowice zu Ende gegangen. Zwischenzeitlich hatte es reichlich Zoff gegeben. Die USA versuchten in trauter Eintracht mit Russland und den Monarchen Saudi-Arabiens und Kuwaits die große Mehrheit der Staaten davon abzuhalten, den letzten IPCC-Sonderbericht zur Grundlage der Arbeit zu machen.

Man wollte verhindern, dass sich die 196 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention darauf verständigen, sich auf einen neues formelles Ziel festzulegen. Doch vergebens. Die globale Erwärmung soll, heißt es nun in der Abschlusserklärung, auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden.

Das ist ehrgeizig, absolut notwendig, aber leider ist bisher kaum eines der reicheren Länder auf dem Weg, die Bedingungen dafür zu schaffen. Während die meisten Entwicklungsländer Treibhausgase immer noch im sehr geringen Umfang emittieren, sind es die alten Industriestaaten, die Ölförderländer und einige Schwellenländer, wie China, Brasilien und Indien, die für das Gros der Emissionen verantwortlich sind.

Der IPCC hatte, wie auf Telepolis berichtet, in seinem den Stand der internationalen Wissenschaften zusammenfassenden Bericht im Oktober dargelegt, dass schon bei einer Erwärmung zwischen 1,5 und 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau mit schweren Folgen zu rechnen ist.

Insbesondere könnten bereits in diesem Erwärmungs-Bereich die großen Eisschilde destabilisiert werden, was zu etlichen Metern Anstieg der Meere führen würde. UN-Generalsekretär António Guterres hatte auf der Konferenz die Missachtung dieser wissenschaftlichen Ergebnisse durch die genannte Vierer-Allianz als unvertretbar bezeichnet.

Immerhin konnten sich die fürchterlichen Vier damit nicht durchsetzen, doch die Tatsache bleibt, dass auch die anderen Staaten bisher nichts für das Erreichen des neuen Ziels unternehmen. Summiert man die Emissionen auf, die sich aus den bisherigen Selbstverpflichtungen ergeben, die im Rahmen der Pariser Übereinkunft abgegeben wurden, so ergibt das eher eine globale Erwärmung um drei oder mehr Grad Celsius.

Alles wird also darauf ankommen, dass die wichtigsten Staaten in den nächsten zwei Jahren erheblich ehrgeizigere Klimaschutzpläne entwickeln. Was hierzulande getan werden müsste, wurde hier bereits in der letzten Wochenschau erläutert.

Da sich die Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre anreichern und dort für viele Jahrhunderte verbleiben, wird die Zeit inzwischen richtig knapp. Das Budget, das uns verbleibt, soll die Erwärmung 1,5 Grad nicht übersteigen, ist nämlich gemessen an den jährlichen Emissionen von etwa über 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid nur noch sehr klein.

Bis 2030 müssen die globalen Emissionen halbiert und bis etwa 2045 auf Null reduziert sein. Zusätzlich müssen sogar noch Wege gefunden werden, der Atmosphäre in den darauf folgenden Jahrzehnten wieder einen Teil des Kohlendioxids zu entziehen.

2020 soll bei der übernächsten UN-Klimakonferenz die nächste Runde von Selbstverpflichtungen abgegeben werden. Alles wird also davon abhängen, ob in Staaten wie zum Beispiel Deutschland, Frankreich, den USA oder auch China und Indien genug öffentlicher Druck entsteht, damit das Steuer endlich herumgerissen wird.

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