Klimakonferenz: Noch sehr weit vom Ziel entfernt

Bild: Climate Action Tracker

In vielen Ländern sind die geplanten Klimaschutzmaßnahmen noch immer weit davon entfernt, die Treibhausgas-Emissionen ausreichend zu verringern

In Bonn finden derzeit am Sitz der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) Vorverhandlungen für die diesjährige UN-Klimakonferenz statt. Auf deren Tagesordnung werden wie schon bei den jetzigen Vorbereitungen die Verschärfung der Klimaschutz-Ziele stehen, die sich die Länder jeweils selbst auferlegen, die sogenannten Intended Nationally Determined Contributions (INDC). Die Konferenz selbst wird in der ersten Dezemberhälfte im polnischen Katowice stattfinden.

Eine erhebliche Verschärfung der Selbstverpflichtungen, der INDC, wird auch nötig sein, denn zum einen reichen sie nicht, um das im Pariser Klimaschutz-Übereinkommen festgehaltene Ziel zu erreichen, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten. Noch viel schwieriger wird es bei der gegenwärtigen Politik, die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken, wie es im Übereinkommen ebenfalls als mögliches notwendiges Ziel definiert wird. Zum anderen sind eine ganze Reihe von Ländern auch noch weit davon entfernt, sich zumindest an die abgegebenen Selbstverpflichtungen zu halten.

Der sogenannte Climate Action Tracker, der die Klimaschutzpolitik von 32 Staaten mit 80 Prozent der weltweiten Emissionen verfolgt und berechnet, wohin sie in summa den Planeten führen, kommt zu dem Ergebnis, dass die globale Erwärmung 3,2 Grad Celsius (2,6 bis 4,0 Grad Celsius) betragen würde, wenn alle Selbstverpflichtungen umgesetzt werden. Derzeit sieht es aber eher so aus, als würden wir sogar bei 3,4 (2,5 bis 4,7) Grad Celsius landen. In Klammern ist jeweils der Unsicherheitsbereich angegeben, in dem das Ergebnis höchstwahrscheinlich liegen wird.

Der Climate Action Tracker wir von einem internationalen Konsortium zweier Institute und einer Beratungsfirma organisiert, die auf die internationalen Klimaverhandlungen, das heißt, auf deren politische und ökonomische Aspekte, spezialisiert sind (hier die Mitglieder.)

Es gebe zwar einige Fortschritte seit November, als anlässlich der letzten UN-Klimakonferenz die letzte Abschscätzung gemacht wurde, heißt es in einer Pressemitteilung des Climate-Action-Tracker-Konsortiums. Allerdings müssten viele Regierungen größere Anstrengungen unternehmen.
Positiv heben die Autoren hervor, dass sie trotz der der Öl- und Kohleindustrie äußerst freundlich gesonnenen US-Regierung ihre Prognosen für die Emissionen der USA im Jahre 2030 nach unten korrigieren mussten.

Der Grund: der relativ zügige Ausbau der erneuerbaren Energieträger und die zunehmende Verdrängung der Kohlekraftwerke durch diese sowie durch Gaskraftwerke. Chile wird als neuestes Land angeführt, das den Ausstieg aus der Kohle anstrebe. Etwas überoptimistisch wird auch betont, dass Deutschland dabei sei, das Ende der Kohlenutzung vorzubereiten. Polen hingegen, der diesjährige Gastgeber, plane als einziges EU-Land den verstärkten Einsatz von Kohle.