Klimawandel: Ganz gut, aber nicht gut genug

Bild: Andreas Trol/Pixabay

Deutlicher Rückgang der Emissionen in Deutschland, Zukunft von Sonnen- und Windenergie weiter ungewiss

Die deutschen Treibhausgasemissionen sind 2019 unerwartet stark um rund 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) oder 5,8 Prozent gesunken. Das geht aus einem Tweet des Umweltbundesamtes hervor.

In den meisten Sektoren blieb der Ausstoß an CO2 aber konstant. Der Verkehr hat sogar wieder zugelegt und bewegt sich erneut auf dem Niveau von 1990. Deutlich weniger Klimagas wurde vor allem von der Energiewirtschaft in die Luft geblasen.

Zwei Ursachen

Das dürfte vor allem zwei Ursachen haben: Zum einen sind die Preise für CO2-Emissionen gestiegen. Dadurch wurde der Export von Strom weniger attraktiv. Tatsächlich ging dieser im vergangenen Jahr um 27 Prozent oder 17,79 Milliarden Kilowattstunden gegenüber dem Vorjahr zurück, wie die Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigen.

Energiewirtschaft mit deutlich weniger Emissionen (hellgrün), Verkehrssektor hingegen wieder auf Niveau von 1990 (dunkelgrün) (Bild: Umweltbundesamt)

Nach den durchschnittlichen Emissionen im deutschen Strommix 2019 von schätzungsweise 0,5 Kilogramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde entspräche das einem Minus von rund 8,9 Millionen Tonnen CO2-Emissionen.

Zum anderen ist der Rückgang der Emissionen aber vor allem das Ergebnis des wachsenden Anteils der erneuerbaren Energieträger an der Stromeinspeisung ins öffentliche Netz. Insbesondere die Erzeugung der Windräder und der Solaranlagen hatte zugelegt und zwar um knapp 12 Prozent oder 18,04 Milliarden Kilowattstunden.

Gemeinsam mit Wasserkraft und Biogasanlagen waren sie für immerhin 46,1 Prozent der Erzeugung für das öffentlich Netz verantwortlich. Für das laufende Jahr liegt dieser Anteil aufgrund des sehr windigen Jahresauftaktes bisher sogar bei 54,2 Prozent.

Solar- und Windkraft

Man sollte also meinen, dass Deutschland damit auf dem besten Wege in eine CO2-neutrale Stromproduktion sei. Allerdings haben Union und SPD bereits in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Ausbauzahlen für die Windkraft zu drosseln.

Zurzeit werden aber nicht einmal die zu niedrigen Vorgaben erreicht, weil die geplante Abstandregel und vor allem der Zwang, an bürokratischen und teuren Ausschreibungsverfahren teilzunehmen, den Ausbau fast zu Erliegen gebracht hat.

Auch der Solarausbau könnte demnächst vor die Wand fahren. Bisher steht im Erneuerbarre-Energien-Gesetz (EEG), dass die Förderung für Strom aus neuen Solaranlagen aufhört, sobald 52 Gigawatt-Ausbaukapazität erreicht ist. Diese Latte wird voraussichtlich noch in diesem Jahr gerissen, denn es sind bereits Solaranlagen mit einer Leistung von 49,55 Gigawatt am Netz.

Eigentlich hatten sich Union und SPD darauf verständigt, den Deckel abzuschaffen. Dennoch wurde erst kürzlich ein entsprechender Antrag der Grünen im Bundestag abgelehnt.

Die Regierungsfraktionen wollen einen eigenen Gesetzentwurf vorlegen, können sich aber bisher nicht auf den Text einigen. Dem Vernehmen nach versucht der Wirtschaftsflügel der Union einen Kuhhandel durchzudrücken: Solardeckel lüften gibt es nur gegen 1-Kilometer-Mindestabstand für Windräder von Siedlungen bundesweit.