Klimawandel: Leugner schwimmen in Geld

Studie über die Finanzierung US-amerikanischer Lobbyorganisationen spricht von einem wohlorganisierten und bestens finanzierten dichtem Netz von Meinungsmachern gegen Klimaschutz

Bis zu einer knappen Milliarde US-Dollar steckten konservative Milliardäre und Konzerne zwischen 2003 und 2010 in den USA in die sogenannte denial industry (Leugner-Industrie). So bezeichnen Umweltschützer und andere jenseits des Atlantiks jenes Netzwerk aus Lobbyorganistionen und pseudo-akademischen Instituten, das viel Schweiß und Mühe darauf verwendet, die Wissenschaft zu diskreditieren und die Öffentlichkeit in Sachen Klimawandel in die Irre zu führen. Die genannte Summe hat der Umweltsoziologe Robert Brulle ermittelt, der seine Ergenisse kürzlich im Fachjournal Climate Change veröffentlicht hat. 118 Organisationen und deren Finanzen wurden dafür von ihm unter die Lupe genommen.

Heraus kam dabei auch, dass die Spenden zunehmend anonymisiert werden. Die Hauptfinanziers dessen, was der Autor die climate change counter movement nennt, sind nicht mehr große Konzerne, sondern Milliardäre wie die Koch-Brüder und andere, die ihre Gelder über verschlungene Stiftungs-Kanäle verteilen. In dem untersuchten Zeitraum zwischen 2003 und 2010 flossen 91 US-amerikanischen Organisationen, die in der Vergangenheit durch die Verbreitung von Falschinformationen, Verunglimpfung von Wissenschaftlern und der Verunsicherung der Öffentlichkeit in Sachen Ursachen und Folgen des Klimawandels aufgefallen sind, über 900 Millionen US-Dollar (über 660 Millionen Euro nach derzeitigem Kurs) zu.

Eine Reihe der in den 10.1007/s10584-013-1018-7/file/MediaObjects/10584_2013_1018_MOESM1_ESM.pdf: ergänzenden Materialen aufgezählten Organisationen sind allerdings Interessenverbände. Daher ist wohl davon auszugehen, dass deren Einnahmen in de erwähnten Zeitraum nicht ausschließlich dem Lobbying gegen Klimaschutzmaßnahmen dienten. Die genannte Summe ist also eher eine Höchstgrenze.

Davon abgesehen ist ein wichtiges Ergebnis, dass mit 558 Millionen US-Dollar (409 Millionen Euro) fast zwei Drittel der Budgets dieser Organisationen von konservativen Stiftungen gestellt wird. Der Autor kommt anhand der Geldflüsse und der Analyse gemeinsamer Aktivitäten zu dem Schluss, dass Organisationen und Stiftungen durch ein enges Netz miteinander verbunden sind und ihn wohl orchestrierten Kampagnen agieren. Brulle: Es handelt sich nicht um eine bloße Gruppe von einigen übelmeinenden Individuen. Vielmehr geht es um ein großangelegtes politisches Unternehmen.

Geld verstärkt manche Stimmen, macht sie lauter als andere, gibt ihnen sozusagen ein Megaphone auf dem Marktplatz. Mächtige Spender unterstützen die Kampagne, die die wissenschaftliche Erkenntnisse über die globale Erwärmung leugnet und Zweifel über Ursachen und Auswirkungen dieser massiven globalen Bedrohung sät. Das wenigste ist, dass die Amerikanischen Wähler darüber informiert werden, wer die Hintermänner sind.

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