Klimawandel: Saudi-Arabien befürchtet Zunahme schwerer Regenfälle

Über 20 Menschen im Wüstenstaat starben in der vergangenen Woche an den Folgen von Überflutungen

Bislang betrafen Befürchtungen über etwaige Folgen des Klimawandels in Saudi-Arabien hauptsächlich Dürren, steigende Temperaturen und künftig noch häufiger ausbleibende Regenfälle. In einer Arbeit, die Anfang des Jahres im Arabian Journal for Science and Engineering erschienen ist, prognostizierten Wissenschaftler, dass die Durchschnittstemperatur im Wüstenstaat bis 2050 um bis zu 4 Grad Celsius steigen könnte und die Nachfrage nach Wasser für die Landwirtschaft um 15 Prozent (Saudi-Arabien hat einen extrem hohen Trinkwasserbedarf, beim Verbrauch belegt das Land weltweit einen Spitzenplatz). Manche Forscher warnen allerdings auch vor häufiger auftretenden extremen Regenfällen.

Seit vergangener Woche ist dieses Szenario in den Mittelpunkt der laufenden Diskussion über Auswirkungen des Klimawandels in Saudi-Arabien gerückt. Mindestens 24 Menschenleben haben schwere Regenfälle im Osten und Süden des Landes gekostet, auch die Hauptstadt Riad war betroffen, nicht zum ersten Mal. 42.000 Notrufe gingen in der vergangenen Woche beim saudischen Zivilschutz ein, meldete Arab News; mehr als die Hälfte von Personen, die auf überschwemmten Straßen feststeckten. Über 6.000 Personen sollen gerettet worden sein, so die vorläufige Bilanz.

Die Regengüsse gehört zu den schlimmsten der letzten 25 Jahre, kommentiert die Saudi Gazette und rät dazu, sich auf mehr solcher Katastrophen vorzubereiten, da die Regenfälle mit Auswirkungen des Klimawandels zu erklären sind. Saudi-Arabien müsse sich deshalb auf mehr solcher Katastrophen gefasst machen und Straßen, Brücken, Bahngleise, Flughäfen, die vor 20 Jahren gebaut worden seien, auf die neuen Umstände vorbereiten, denn "besonders die Muster von Regenfällen waren damals weitaus konservativer, als das nun der Fall ist".

Der saudische Journalist Hussein Shobokshi, der von Riadhbureau zitiert wird, lässt angesichts der extremen Regenfälle der letzten Tage gar keinen Zweifel daran, dass das Land mit Auswirkungen eines schwerwiegenden Klimwandel konfrontiert ist. Er plädiert für eine Veränderung von Kriterien und Standards beim Bau von Infrastruktur für den Straßenverkehr und bei der Städteplanung; vor allem sollten mehr Schutzräume - "well-equipped flood-proof shelters" - für die Bewohner der großen Städten gebaut werden. Aus Jeddah kommt indessen die Nachricht, dass der Ausbau der Bahnlinien wegen klimatischer Schwierigkeiten nicht voran kommt.