Klimawandel: Wo ist der Winter hin?

In London klettert das Thermometer im Februar über 20 Grad, in Griechenland schneit es

Für Meteorologen geht mit dem Februar auch der Winter zu Ende. Bisher war man es gewohnt, dass viele Laien darauf eher mit Unverständnis reagierten, denn schließlich kann es auch im März noch erheblichen Frost geben. So wie zum Beispiel im letzten Jahr, als die Berliner Anfang März bei Sonnenschein und knackigen Minustemperaturen Parties auf ihren Kanälen feierten.

Dieses Jahr ist alles anders. Frühlingshafte Temperaturen locken schon Ende Februar die Menschen in Massen auf die Straßen der Städte und die deutschen Solaranlagen fahren einen neuen Februarrekord ein. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit seinen rund 2000 Messstationen im ganzen Land bezeichnet den ausgehenden Winter als "erheblich zu mild". Mit 2,6 Grad Celsius über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990 gehörte er in Deutschland zu den wärmsten je registrierten.

Außerdem habe es in den drei Wintermonaten Dezember bis Januar "einen deutlichen Sonnenscheinüberschuss" gegeben. Letzteres misst sich an dem sonst üblichen, das heißt, am Mittelwert einer 30-Jahre-Referenzperiode. Subjektiv werden natürlich die meisten Menschen – je weiter man nach Norden kommt, desto mehr – noch immer unter dem Mangel an Licht klagen.

Die Niederschlagsbilanz sei insgesamt positiv gewesen, heißt es bei den Wetterfröschen weiter. Nach der extremen Dürre des Vorjahres ist das nicht unwichtig. Im Bundesdurchschnitt hätten die Niederschläge um 17 Prozent über dem für die Jahreszeit Normalen gelegen. Nur ganz im Norden, in Schleswig-Holstein, blieben die Niederschläge auch im Winter unterdurchschnittlich. Besonders nass war es hingegen in Bayern und Sachsen, weil sich dort die Wolken vermehrt an den Bergen stauten und abregneten bzw. extreme Schneefälle abluden.

Zuletzt verabschiedete sich der Winter auch im übrigen Europa mit äußerst verrücktem Wetter. Während es im griechischen Thessaloniki schneite, erlebte Großbritannien vergangenen Monat seinen bis dahin wärmsten je registrierten Wintertag. Im walisischen Dorf Trawsgoed kletterte das Thermometer auf 20,6 Grad Celsius, wie die Plattform Phys.org berichtet. Aber schon einen Tag später wurde der neue Rekord gebrochen, als in Kew Gardens in Westlondon 21,2 Grad Celsius gemessen wurde.

Und, ja: Es gibt eine Verbindung zum Klima. Das verrückte Februarwetter ist Ergebnis eines sehr hartnäckigen, sich in den nächsten Tagen allerdings verziehenden Hochdruckgebiets über dem westlichen Mitteleuropa, das wiederum die Folge einer stehenden Welle im Jetstream ist, in jenen Höhenwinden, die das Wettergeschehen in den gemäßigten Klimazonen steuern.

Wie auf Telepolis bereits mehrfach beschrieben, neigen diese bei einer Abschwächung des Temperaturgegensatz zwischen den gemäßigten und polaren Breiten dazu, weiter nach Nord und Süd auszuholen und länger auf der Stelle zu verharren. Derlei war im vergangenen Jahr für die schwere Dürre verantwortlich und eine ganz ähnliche Großwetterlage ist derzeit wieder zu beobachten.