Koch wirft die Kettensäge an

Kaum sitzt Hessens CDU wieder fest im Sattel, schon schreitet der Flughafenausbau voran

Das Trommelfeuer, das in den letzten Monaten auf Hessens verhinderte SPD-Ministerpräsidentin Andrea Ypsilanti niederprasselte, hatte sicherlich verschiedene Ursachen, aber eine war sicherlich nicht darunter: Sorge um die politische Moral. Sonst hätte man ja in den Jahren zuvor der tief in den parteiinternen Spendensumpf involvierten hessischen CDU und ihrem so gerne gegen Minderheiten und Jugendliche hetzenden Chef Roland Koch mindestens die gleiche Behandlung angedeihen lassen müssen.

Eher ist wohl die Ursache in Ypsilantis Programm zu suchen, das den Interessen der Energiekonzerne und der Frankfurter Flughafenbetreiberin Fraport AG im Wege stand. Doch die Zeiten sind vorbei, und der kommissarische Ministerpräsident, der am Sonntag von einem knappen Drittel der Wähler wieder ins Amt gewählt wurde, hat die Zeit genutzt, um der Fraport AG nach Kräften bei ihren Ausbauplänen unter die Arme zu greifen. Seit letzter Woche gibt es einen Verwaltungsgerichtsbeschluss, der den Weg für den Kahlschlag im an den Flughafen Frankfurt angrenzenden Kelsterbacher Wald freimacht. Auf 250 Hektar sollen Bäume trotz heftigen Protests der Gemeinde Kelsterbach dem Bau einer neuen Landebahn weichen.

In diesen Stunden bereitet in dem strittigen Waldstück offenbar eine Großaufgebot der Polizei die Räumung des Protestcamps und die Rodung des Waldes vor, wie die Umweltschutzorganisation Robin Wood berichtet. Das Gericht hatte zwar der Landesregierung auch ins Stammbuch geschrieben, dass die angestrebte Genehmigung von nächtlichen Starts und Landungen vermutlich keinen Bestand haben wird, aber Koch und Fraport setzen offenbar ganz auf die Macht des Faktischen. Erst mal den Widerstand der Nachbarn und Umweltschützer aus den Weg räumen und Kahlschlag an einem so genannten Bannwald vornehmen. Der Rest erledigt sich dann schon.

Derweil ist allerdings beim statistischen Bundesamt zu erfahren, dass der Flugverkehr viel weniger Expandiert, als von der Fraport AG postuliert. Mit 166Millionen Fluggästen gab es 2008 nur ein Plus von 1,2 Prozent. Das war, so die Statistiker, die niedrigste Wachstumsrate der letzten sechs Jahre. Im Luftverkehr mit dem Ausland, der für Frankfurt entscheiden sein dürfte, stieg die Zahl der Fluggäste gar bloß um einen Prozent.

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