Kohle: RWE weiter in den Miesen

RWE-Kohlekraftwerk Neurath. Foto (2009) : Tetris L / CC BY-SA 3.0

Abschreibungen auf Gas- und Kohlekraftwerke verhageln weiter die Bilanz. Bundeskanzlerin gegen "überstürzten Ausstieg" aus der Kohle

Der Energiekonzern RWE hat schon wieder erhebliche Abschreibungen auf seine alten Kohle- und Gaskraftwerke vornehmen müssen, wie er in einer Pressemitteilung wissen lässt. Mit 4,3 Milliarden waren sie sogar noch erheblich umfangreicher als im Vorjahr und Hauptgrund für einen Nettoverlust von 5,7 Milliarden Euro. Entsprechend gehen die Inhaber von Stammaktien im zweiten Jahr in Folge leer aus. Nur die Besitzer von Vorzugspapieren bekommen 13 Cent pro Anteil, ein Betrag der wohl eher als symbolisch zu bezeichnen ist.

Anteilseigner an RWE waren nach Angaben des Konzerns Ende 2015 zu 86 Prozent sogenannte institutionelle Investoren, mehrheitlich aus dem europäischen und nordamerikanischen Ausland. Zu diesen institutionellen Anlegern wird auch die RWE Energie-Beteiligungsgesellschaft gezählt, in der die meisten verbliebenen kommunalen Anteile an dem Essener Konzern gebündelt sind. Laut Lobbypedia gehört auch der US-amerikanischen Kapitalfonds Black Rock mit fünf Prozent zu den RWE-Aktionären.

RWE hatte in den Jahren nach der Liberalisierung des Strommarktes stattliche Gewinne gemacht, unter anderem auch zunächst noch mit dem Übertragungsnetz, das ein besonders risikoarmes Geschäft ist. Doch statt diese Gewinne in den Aufbau von neuen Kapazitäten bei den erneuerbaren Energieträgern zu investieren (oder die notwendige Instandhaltung der Netze), wurde der allergrößte Teil in den Aufkauf von alten Kraftwerken im Ausland gesteckt. Nur ein relativ kleiner Teil ging hingegen in den Aufbau der Erneuerbaren-Sparte Innogy, die zwischenzeitlich als eigenständige AG ausgegliedert wurde.

Diese aufgekauften Altanlagen sind es nun, die die hohen Abschreibungen verursachen. Kohle- und Gaskraftwerke verlieren auch in Großbritannien und den Niederlanden, wo sich RWE stark engagiert hat, schneller an Wert als man erwartet hatte. Man könnte es auch so ausdrücken: Der RWE-Vorstand hat die Energiewende verschlafen, obwohl eigentlich spätestens seit Anfang der 1990er Jahre klar war, dass Kohle- und Atomkraft Auslaufmodelle sind.

Der Realitätsverlust ging so weit, dass noch 2011 der seinerzeitige RWE-Manager und Innogy-Chef Fritz Vahrenholt mit einem aufwendig beworbenen Buch durch die Lande tingelte, in dem er als völlig Fachfremder den Klimawissenschaftlern erklären wollte, dass sie alle samt falsch liegen.

Zu jener Zeit, als Vahrenholt seine steilen Thesen unter die Leute brachte, zahlte der Konzern übrigens noch zwei Euro pro Aktien an Dividende aus, in den Jahren zuvor waren es sogar 3,5 Euro gewesen. Inzwischen ist man, wie gesagt, bei Null angekommen. Nur Innogy bessert die Konzernbilanz noch etwas auf.

Damit nicht noch mehr Wert auf Kohlekraftwerke abgeschrieben werden muss, hat die Bundesregierung inzwischen einige Vorkehrungen getroffen, die Energiewende auszublenden. Die letzte Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes hat die Förderung so gestaltet, dass der Grünstromanteil bis 2025 auf 40 bis 45 Prozent des Bruttostromverbrauchs beschränkt wird.

Und die große Koalition scheint sich weitgehend einig zu sein, dass es keinen geordneten und zügigen Ausstieg aus der Kohle geben soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erst am heutigen Dienstag auf einer Veranstaltung des Verbandes kommunaler Unternehmen bekräftigt, dass sie keinen "überstürzten Ausstieg" wolle.

Im Klartext dürfte das wohl heißen, dass es ähnlich wie bei der Atomkraft ablaufen soll. So lange wie irgendwie möglich warten und dann die Kraftwerke nicht nach und nach vom Netz nehmen, sondern alle innerhalb weniger Jahre. Wenn es dann zu Problemen kommt, sind natürlich Wind und Sonne schuld.

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