Kollateralschaden

Drohne tötete in Afghanistan versehentlich ein Kind

General Joseph F. Dunford Jr., Befehlshaber der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan, ließ es sich nicht nehmen, persönlich Präsident Karzai telefonisch sein Bedauern über den jüngsten Drohnenfehlschuss zu übermitteln. So hatte am Donnerstag eine Drohne bei Garmsir in der Provinz Helmand nach US-Darstellung auf einen Motorrad fahrenden Rebellenführer gezielt, diesen jedoch verfehlt. Stattdessen tötete die Drohne ein Kind und verletzte zwei Frauen schwer, berichtet die New York Times. Nach Angaben von Karzai soll der Angriff jedoch auf ein Haus erfolgt sein.

Der zu Fuß flüchtende Rebellenführer konnte jedoch von einer anderen Drohne niedergestreckt werden. In der gleichen Region sei auch ein weiterer Rebellenführer mit einer Drohne getötet worden. Ob es sich um eine Drohne der USA oder aber des Vereinigten Königreichs handelte, das dort ebenfalls mit Drohnen operieren soll, wurde nicht bekannt gegeben.

Der tödliche Fehlschuss auf das Kind kommt für Friedensnobelpreisträger Barrack Obama zu einem vergleichsweise ungünstigen Zeitpunkt, da sich die USA gerade mit Karzai in harten Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen befinden. So wollen die USA ab 2015 für ein Jahrzehnt Truppen stellen und finanzielle Unterstützung leisten. Die USA bestehen auf baldiger Unterzeichnung, andernfalls drohen sie mit dem totalen Abzug der Streitkräfte. Die Afghanen hatten jedoch letzte Woche angekündigt, dass sie das Abkommen platzen lassen, falls bei einer weiteren Razzia wieder ein Zivilist getötet werde. Genau dies war nun der Fall. Karzai besteht darauf, dass ausländische Truppen keine afghanischen Häuser mehr angreifen.

Nach einer Schätzung der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW)" sind nach einem Jahrzehnt "Krieg gegen den Terror" allein im Irak, Afghanistan und Pakistan bis zu 1,7 Millionen Tote zu beklagen. Demgegenüber hatten die USA in den letzten 30 Jahren etwa 3.000 Terroropfer zu beklagen - sowie 900.000 Tote durch Schusswaffengebrauch. Jedes Jahr erschießen sich zehn mal mehr US-Amerikaner gegenseitig als am 11.September starben. Dennoch lehnen die USA für sich selbst einen Polizeistaat mit fliegenden Killerdrohnen und Totalüberwachung bislang ab.

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