Kommunistische Blöcke für Guttenberg

Pro-Guttenberg-Demos könnten zum lustigen Faschingsereignis werden, Zweifel an der Zahl der Fans auf den Pro-Guttenberg-Seiten werden größer

Morgen wollen sie auf die Straße gehen, die Verehrer des Freiherrn zu Guttenberg, die aus welchen Gründen auch immer ihr Idol feiern oder zurück haben wollen ( "Wir wollen ihn wieder"). Man darf gespannt sein, wie viele ihre irrationale Huldigung dann auch wirklich auf den öffentlichen Plätzen der Straßen zeigen werden. So wird auf der Facebook-Seite Wir wollen Guttenberg zurück - Demos erklärt, wofür man eintritt: "FÜR GUTTENBERG UND GEGEN DIE HETZE DER MEDIEN". Das ist ein Programm, für das man auch laut werden will. Die Begeisterung scheint hier schon deutlich kleiner zu sein. Gerade einmal etwas mehr als 1000 Personen "gefällt das".

Den möglichen Demonstranten, die gegen die Medien, die Linke und die etablierte Politik protestieren, sofern sie nicht nur Erregung verspüren, kommt natürlich entgegen, dass es Fasching ist, so dass sie sich auch nicht kenntlich machen müssen, sondern sich hinter einer Maskierung verstecken können. Genehmigungen scheinen bislang für Hamburg, München, Köln, Rosenheim, Guttenberg, Frankfurt und Berlin vorzuliegen. Da vermutlich nicht alle Kundgebungen angemeldet wurden, die stattfinden, wird auch interessant sein, wie sich die Polizei verhalten wird.

Zudem könnten die Kundgebungen auch von Gegnern und Spaßvögeln unterwandert werden, die sich auch auf Facebook immer deutlicher zeigen. So gibt es eine ganze Reihe an Facebook-Seiten, die sich über die Nostalgiewelle lustig machen und alles Mögliche wiederhaben wollen - vom Kaiser Wilhelm bis zu Elvis. Andere treten beispielsweise Für die Heiligsprechung von Karl-Theodor zu Guttenberg.

So hat auch eine Monarchohedonistische Front in der Hedonistischen Internationale zur Teilnahme an den Demos und zur "uneingeschränkten Solidarität mit dem Abschreiber aufgerufen, um einen Spaßevent zu machen:

"Kommt zu den Pro-Guttenberg-Demonstrationen, reiht Euch still und ehrfürchtig ein in die Demonstrationen, um dann aus voller Kehle mit Sprechchören unserem geliebten Führer Guttenberg zu huldigen. Beifall kann nie von der falschen Seite kommen! Kein Plakat ist fehl am Platze, kein Spruch zu doof, kein Gesang zu blöd - wenn es nur für unseren Guttenberg wirbt. Auch die wirrsten Parolen sind willkommen – wenn sie denn für unseren Guttenberg werben. Lasst Euch etwas einfallen!"

Mit dabei ist auch ein Kommunistisches Bündnis Pro Guttenberg, das gerne "kommunistischen Blöcke" unter den Protestierenden sehen will: "Antifa heißt abschreiben! Alles für Alle – Auch geistiges Eigentum!" Das kann also ganz lustig werden und ist sowieso nicht sehr viel mehr als ein Faschingsscherz.

Bierernst dagegen die Guttenberg-Fans, wie sie sich etwa auf der Facebook-Seite Wir wollen Guttenberg zurück tummeln. Deren Betreiber, ein 22-jähriger Student, ( Interview) erklärt:

"Durch den Rücktritt zu Guttenbergs haben wir einen extrem charismatischen Politiker verloren, der es in kurzer Zeit zu einer enormen Popularität gebracht hat. Mit Ihm wäre es möglich gewesen, schwierige Reformen umzusetzen, für die es einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung braucht. Momentan gibt es in Deutschland keinen zweiten Politiker, der die Massen so mobilisieren kann."

Extrem charismatisch … begründet wird das lieber mal nicht. Die Zweifel mehren sich, ob die in kurzer Zeit zustande gekommene Zahl von 550.000 Menschen, denen die Seite gefällt, tatsächlich auf ebenso viele Fans verweist, die sich das Anliegen zu eigen machen. Wirft man etwa einen Blick auf die Facebook-Statistik, dann scheint die Seite bereits mit mehr als 200.000 begonnen zu haben. Dazu scheint die Vermehrung Tag und Nacht ungebrochen stattgefunden zu haben.

Zudem muss auch, wer einen kritischen Kommentar verfassen will, erst mal "gefällt mir" anklicken, einen "gefällt mir nicht"-Button verweigert Facebook seinen Nutzern bekanntlich. Eine Vermutung ist auch, dass die Anzahl der Likes von Facebook als Summe aus den Shares, Likes und Kommentaren addiert wird. Möglicherweise werden auch Anhänger gekauft, wie das auch bei Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg vermutet wurde, was Facebook aber abstreitet.

Sascha Lobo ruft dazu auf, sich gemeinsam mal die "Wir wollen Guttenberg zurück"-Seite vorzunehmen, um zu überprüfen, ob bei den Fan-Zahlen wirklich alles in Ordnung ist. Er schlägt dazu einige Methoden vor, wie man die Korrektheit der Zahlen überprüfen könnte. Schauen wir mal, was dabei herauskommt.

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