Konzerte wie bei Hempels unterm Sofa

Neben der Spur

Hausmusik hat nicht unbedingt mit der Heimorgel des Todes oder gequälten Kindern zu tun, die Blockflöte mit Hilferufen verwechseln. Live Dream soll einfacher sein. Man stellt die Instrumente einfach ab. Sozusagend.

Die Live Dream Sensorenbühne kommt von Sega, also aus Japan, und erinnert ein wenig an die dortigen Getränkeautomaten. Bewundernswert mechanisiert und menschenfrei. Es handelt sich weder um ein digitales Studio, noch um eine Heimorgel. Die Nachbarn terrorisiert man heutzutage auch nicht mehr durch die Aufforderung an Oma, mit den Dritten galant den Hummelflug nachzuklappern.

Live Dream ist der Traum aller Hausmusiker, die sich alle 10 Finger gebrochen und den Mund verbrannt haben. Alleine die Konstellation der Instrumente zueinander bestimmt wie einer der dreissig verfügbaren Songs klingt. Wer selbst mitspielt, stört da irgendwie. Ob es auf die Dauer Spass macht, was Sega da fabriziert, ist schwer zu sagen. Trotz Video. Es kommt auf den Standpunkt an. Wörtlich. Das hat alles nichts damit zu tun, was John Q. Walker versucht. Ihm geht es um das Nachahmen von grossen Darbietungen. Eine Art von Wiederaufführung ohne Menschen. Das hat alles ein wenig von maschinellen Tanzbären. Nur dass man sich jetzt das Futter sparen kann. Die pure Kopie. Interaktion als ewig lauffähige Schleifen. Eigentlich leer wie ein Koan oder die Erfüllung aller Spieldosenträume, die es je gab.

Ich erlaube mir die Vorstellung, dass eines Tages ein Alien auf der Erde landen wird, kein Mensch mehr lebt, aber in einem Wohnzimmer südlich des ehemaligen Tokyo spielt mit der letzten Energie aus der letzten Steckdose noch ein Orchester seit dutzenden von Jahren La Paloma, und nebenan hämmert ein Klavier die Goldberg Variationen wie damals Glenn Gould vor sich hin. Das Alien wird sich mit Schaudern abwenden, ç%&%ç*%...)()()(! vor sich hin murmeln und wieder abdüsen.

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