Kopierschutz, der Texte verändert

Das Fraunhofer Institut für sichere Informationstechnologie und die TU Darmstadt forschen zu einem neuen Verfahren, dessen Akzeptanz bei Autoren noch offen ist

Am Fraunhofer Institut für sichere Informationstechnologie und an der TU Darmstadt forscht man derzeit zu einem neuen Kopierschutzverfahren für eBooks, bei dem jedes verkaufte Exemplar individualisiert wird, sodass Kopien zurückverfolgbar sind. Das Neue daran ist, dass dies nicht mittels eines unsichtbaren digitalen Wasserzeichens geschieht (das entfernt werden könnte), sondern durch kleine Änderungen im Text, die dem Leser möglichst nicht auffallen sollen.

Allerdings ist fraglich, wie weit man bei solchen Änderungen gehen darf, um die Akzeptanz der Verfasser nicht aufs Spiel zu setzen: Belletristik-Autoren und Lektoren können zum Beispiel sehr gefühlsverbundene Vorstellungen davon haben, wie eine Formulierung genau aussehen soll. Und Wissenschaftler müssen befürchten, dass die Zitierbarkeit ihrer Werke leidet, oder dass (etwa bei Juristen) Aussagen verfremdet werden.

Um zu testen, wie weit man bei Kopierschutztextänderungen gehen könnte, ohne auf zu großen Widerstand zu stoßen, hat der (zum Börsenverein des Deutschen Buchhandels gehörige) Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels (MVB), fünfzehn kurze gemeinfreie Texte in jeweils zwei leicht voneinander abweichenden Fassungen an Schriftsteller und andere Akteure im Literaturbetrieb geschickt.

In einem der Texte machte man zum Beispiel aus Doktor August Oetkers Kochbuchformulierung "ungesund" ein "nicht gesund". Weil die Formulierung zwar überwiegend sinngleich, aber leicht anders konnotiert ist, dürfte sie zumindest einigen Vergleichspersonen negativ auffallen. Eher überlesen werden könnte dagegen eine Redundanzbeseitigung aus Goswin Uphues Einführung in die moderne Logik. Hier hat man aus der Formulierung "Zorn und Unwillen der Mutter" die Mutter entfernt, die sich dem Leser aus dem inhaltlichen Zusammenhang ergibt. Als am wenigsten problematisch sollten rein orthografische Änderungen empfunden werden: Das Probetext-Beispiel dafür ist Sigmund Freuds Motiv der Kästchenwahl, in der man "Phantasietätigkeit" alternativ mit Bindestrich schreibt ("Phantasie-Tätigkeit").

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