Korea: Militärische Konfrontation wahrscheinlich?

(Bild: THAAD-Test. Bild: U.S. Army / gemeinfrei)

Südkoreas neuer Präsident fordert Maßnahmen zur Wiederaufnahme des Dialogs mit Nordkorea, warnt jedoch zugleich vor einer Verschärfung des Konflikts

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel sind nach wie vor hoch. Am Sonntag hatte Nordkorea einen neuen Raketentest durchgeführt. Dabei handelte es sich offensichtlich um eine Mittelstreckenrakete, die nach von der Korea Times zitierten Angaben Pjöngjangs 787 Kilometer flog. Damit könnte sie lediglich Südkorea sowie Teile Chinas, Japans und Russlands erreichen. Die großen US-Stützpunkte auf Okinawa lägen außerhalb ihrer Reichweite.

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Allerdings stellte der erneute Test eine Missachtung der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates dar und wurde entsprechend von allen Seiten kritisiert. Südkoreas neuer Präsident Moon Jae-in, der im Wahlkampf für Dialog mit dem Norden geworben, aber von diesem zugleich Zurückhaltung gefordert hatte, forderte einerseits eine Wiederinbetriebnahme des heißen Drahts zwischen den beiden Regierungen, sprach aber andererseits auch von einer hohen Wahrscheinlichkeit einer militärischen Konfrontation.

Mindestens zwölf aus öffentlichen Quellen bekannte Standorte für Atomwaffen, Reaktoren sowie Raketenfabriken und -testeinrichtungen gibt es in Nordkorea, schreibt das Internetmagazin Asia Times Online. Auch einen ersten Test mit einer Interkontinentalrakete, der Unha-3, die eine Reichweite von 10.000 bis 12.000 Kilometern erreichen soll, gab es im Februar.

Damit würde erstmals der Westen der USA durch nordkoreanische Waffen bedroht. Unklar ist allerdings, wie weit diese Waffen tatsächlich einsatzfähig sind, wie viele atomare Sprengköpfe Nordkorea besitzt und ob diese tatsächlich ans Ziel getragen werden können.

Die USA hätten gegebenenfalls erhebliche Schwierigkeiten alle Standorte gleichzeitig auszuschalten, so die Asia Times Online. Zumal das nordkoreanische Militär 2016 erstmals den Abschuss von Raketen aus U-Booten getestet hat. Sollten diese irgendwann einsatzfähig sein, hätte das Land auf jeden Fall Kapazitäten für Vergeltungsschläge, selbst wenn ein US-amerikanischer Angriff alle Raketenstützpunkte an Land vernichten würde.

Derweil sorgt in Südkorea die dortige überhastete Stationierung des US-amerikanischen Raketenabwehrsystems THAAD (Terminal High Altitude Area Defense) weiter für Aufregung. Die Anti-Raketenwaffen waren noch vor der Wahl mit der Zustimmung des Übergangspräsidenten, ohne die entsprechenden Umweltverträglichkeitsprüfungen und ähnliches abgeschlossen zu haben, installiert worden.

Wie die Korea Times berichtet, hat der Sprecher der Mehrheitsfraktion im Parlament in Erwägung gezogen, die Waffen in die USA zurückzuschicken. Moon hatte im Wahlkampf versprochen, das Parlament über die Stationierung abstimmen zu lassen. Ob es dort eine Mehrheit dafür geben wird, ist offen. Die konservative Opposition steht in Nibelungentreue zum Bündnis mit den USA und würde die Abstimmung am liebsten verhindern. Die regierende Demokratische Partei ist in der THAAD-Frage gespalten.

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