Korea: Wachsende Spannungen

Nordkoreas Nachbarn nach Atombombentests besorgt. Süden droht mit Erstschlag

Nordkorea könne jederzeit einen weiteren Atomtest durchführen, meinte Südkoreas Verteidigungsministerium am Montag. Das ist sicherlich zum einen ein wenig Säbelrasseln der konservativen Regierung in Seoul, zum anderen kommen darin aber auch berechtigte Sorgen eines Nachbarn zum Ausdruck. Selbst die Volksrepublik China, Nordkoreas langjähriger enger Verbündeter, geht inzwischen auf Distanz.

Pjöngjang hatte am Freitag seine bis dahin stärkste nukleare Testexplosion gezündet und verkündet, man sei nunmehr in der Lage, nukleare Gefechtsköpfe für Mittelstreckenraketen zu bauen. Am Samstag gab es darauf eine Rüge aus Beijing (Peking). Der dortige Vizeaußenminister Zhang Yesui bestellte nach einem Bericht des KP-Blatts Global Times den nordkoreanischen Botschafter ein. Dieser bekam zu hören, dass die Entwicklung von Atomwaffen nicht den "Erwartungen der internationalen Gemeinschaft entsprechen, die Spannungen auf der Halbinsel erhöhen und dort nicht dem Frieden und der Stabilität dienen". Beijing stehe fest zum Ziel einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel.

China hatte in den vergangenen Jahren versucht, Nordkorea zu öffnen und die dortige Wirtschaft nach eigenem Vorbild zu modernisieren. Unter anderem wurden dafür bereits erheblich Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg gebracht. Allerdings liegen die Projekte auf Eis, da sich China an die vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen gegen Pjöngjang hält.

Eine andere Frage ist allerdings, ob Beijing tatenlos zuschauen würde, sollte es zu einem Angriff des mit den USA verbündeten Südens kommen. Die Asian Times Online berichtet, dass das dortige Militär Erstschlagpläne ausgearbeitet habe. Demnach solle die politische und militärische Führung Nordkoreas mit Salven von Raketen ausgelöscht werden, sobald es Anzeichen für einen bevorstehenden Atomwaffeneinsatz gebe.

Südkoreas konservative Präsidentin versucht derzeit die Oppositionsparteien für ihre Politik gegen den Norden mit ins Boot zu holen. Zugleich nutzt sie die nordkoreanischen Drohungen, um Werbungen für das in ihrem Land höchst umstrittene - Telepolis berichtete - Raketenabwehrsystem zu machen, das die USA dort installieren will. Dieses wird auch von China als indirekte Bedrohung angesehen, weil es dessen Fähigkeit vermindern würde, auf einen Atomschlag der USA zu antworten.