Krank nach Hilfseinsatz vor Fukushima

Statt der Navy soll jetzt Tepco für Krebserkrankungen von Marinesoldaten zahlen

Nachdem schon im März letzten Jahres zwei Matrosen des Flugzeugträgers USS Ronald Reagan wegen radioaktiver Verseuchung die Betreiberfirma der Atomkraftwerke in Fukushima verklagt haben, ist zum Jahreswechsel nun eine weitere Sammelklage gegen den japanischen Energiekonzern Tepco eingereicht worden.

Diesmal verlangen 72 ehemalige Besatzungsmitglieder, von denen 52 an unterschiedlichen Formen von Krebs wie Schilddrüsenkrebs, Hodenkrebs, Hirntumoren und Leukämie erkrankt sind, Schadensersatz. Die Klage wurde zwar an einem Gericht im kalifornischen San Diego erhoben, verklagt wird aber nicht etwa der Arbeitgeber der Soldaten, sondern Tepco, denn aus militärrechtlichen Gründen dürfen die Soldaten die US Navy nicht verklagen.

Der Flugzeugträger war im März 2011 nach dem Tsunami vor der japanischen Küste im Einsatz gewesen und sollte dort während des "Operation Tomodachi" genannten Einsatzes u.a. Schiffbrüchige retten. Der Vorwurf lautet nun, dass Tepco bereits begonnen hatte, verseuchtes Wasser ins Meer zu leiten, dies jedoch zunächst nicht öffentlich machte, so dass keine Vorsorgemaßnahmen an Bord getroffen wurden.

Die Matrosen kamen während ihres Einsatzes so nicht nur direkt mit Meerwasser in Kontakt. Sondern vor allem lief während des Einsatzes die Meerwasserentsalzungsanlage weiter, die das Trink- und Brauchwasser an Bord lieferte. Bei ihrem Einsatz manövrierte der Flugzeugträger teilweise nur wenige Kilometer vor der Küste bei Fukushima. Nach dem Einsatz klagten Besatzungsmitglieder über Symptome wie starke Übelkeit, Kopfschmerzen und Nasenbluten. Sie wurden aber erst nachträglich darüber informiert, dass das Leitungssystem an Bord kontaminiert worden war.

Das US-Militär selbst lehnt die Vorwürfe ab; es gebe keinen Zusammenhang zwischen den Krebserkrankungen und dem Einsatz in Japan, vielmehr erkrankten, so das Militär, Soldaten statistisch ohnehin häufiger an Krebs. Jeder zweite Mann und jede dritte Frau im US-Militär würde zu Lebzeiten an einer Form von Krebs erkranken.

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