Krankes Deutschland 2007: Psychische Leiden nehmen weiterhin zu

Wie sieht es aus mit der Gesundheit der deutschen Arbeitnehmer? Wer arbeitet gefährlich?

Wie in den Vorjahren wies die öffentliche Verwaltung den höchsten Krankenstand auf. Bei der Interpretation muss zweierlei berücksichtigt werden: Zum einen sind die in der öffentlichen Verwaltung tätigen Beamten und Angestellten meist älter als in anderen Sektoren, zum anderen fließen nicht nur Bürojobs in die Statistik ein, sondern auch gewerbliche Arbeitsplätze, wie beispielsweise Straßenbau, Abfallentsorgung und Forstwirtschaft. Der Wald ist seit Jahrzehnten ein gefährlicher Ort. Hier ereignen sich oft die gravierendsten Unfälle.

Anzeige

Über die letzten Jahre war der Krankenstand (Anteil der Arbeitsunfähigkeitstage am Kalenderjahr) der Bevölkerung rückläufig, in 2007 hat er erstmals seit 1999 wieder leicht zugenommen: er lag bei 4,5%. Basis sind die Meldungen über Arbeitsunfähigkeit, die bei der AOK im Jahr 2007 eingegangen sind. Dort sind 9,8 Millionen Bürger registriert. Die Autoren des Fehlzeiten-Report 2008 sehen die Zunahme von Infektionen sowie Krankheiten des Verdauungs- und Atmungssystems dafür verantwortlich.

Rund die Hälfte aller AOK-Mitglieder waren mindestens einmal im Jahr krank, im Durchschnitt hüteten sie 16,4 Tage das Bett. Dies weist auf ein Phänomen hin. Die Hälfte der Fehltage wird von lediglich 5,5% der AOK-Mitglieder verursacht. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Die Hälfte aller Arbeitnehmer wurde in 2007 überhaupt nicht krankgeschrieben. Wobei zu berücksichtigen ist, dass viele erst gar nicht den gelben Zettel einreichen, sondern nur kurz in der Firma anrufen und am nächsten oder übernächsten Tag wieder auf der Matte stehen.

Sortiert man nach Bundesländern fällt der hohe Krankenstand in den Stadtstaaten auf. Macht Stadtluft also krank? Vielleicht, nach Auswertung der Autoren sind es aber vor allem Arbeitsunfälle, die den Schnitt nach oben ziehen. Durchgängig durch alle Branche variieren die Fehlzeiten nach der beruflichen Stellung. Die höchsten Zahlen weisen Arbeiter auf, die niedrigsten Angestellte. Auch die saisonalen Schwankungen sind bekannt, im Februar wird seit Jahren der höchste Krankenstand erreicht, im August gerne der niedrigste.

Der häufigste Anlass für eine Krankschreibung sind nach wie vor Erkältungen und Grippe. Rund 22% aller Fälle gingen 2007 auf eine Atemwegserkrankung zurück. Seit Jahren nehmen die psychischen Leiden deutlich zu, nach Analyse der Autoren stieg die Zahl der Fälle seit 1996 um knapp 84%, wobei besonders Frauen betroffen sind. In der Rangliste der Männer nehmen psychische Gebrechen Platz sechs ein, in der Rangliste der Frauen bereits Platz drei. Meist werden Depressionen und Angststörungen diagnostiziert. Krankheitsbilder, die das Baugewerbe kaum kennt, die meisten dieser Fälle tragen sich im Dienstleistungssektor zu.

Anzeige