Kreuzfahrer: Luxus-Dreckschleudern

Bild: Kreuzfahrtschiffe (k)entern‏ @smashcruiseshit

Kreuzfahrtschiffe sorgen an den Küsten mit Schwefel- und Stickstoffoxiden für schlechte Luft

Kreuzfahrtschiffe sind beim gutbetuchten Mittelstand beliebt, werden aber von jungen Klimaschützern und anderen zunehmend kritisch beäugt. So sehr, dass am Pfingstsonntag in Kiel eine Gruppe namens "Smash Cruiseshit" das Kreuzfahrtschiff "Zuiderdam" sechs Stunden am Ausfahren hinderte, wie unter anderem der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtete.

Das dürfte eine der ersten derartigen Aktionen weltweit gewesen sein, doch die Aktivisten sind zuversichtlich, dass ihr Beispiel Schule machen wird. Auf den Aktionen der Schüler war in den letzten Wochen wiederholt die Forderung laut geworden, den Verkehr der Kreuzfahrer erheblich einzuschränken, wenn nicht gar zu verbieten. Die Kieler Behörden haben unterdessen Strafverfahren gegen die Blockierer eingeleitet.

Der Grund für die Kritik ist zum einen der hohe Energieverbrauch sowie die mit diesen verbundenen CO2-Emissionen und zum anderen der verwendete Brennstoff. Hochseeschiffe verbrennen meist Schweröl, das besonders viel Schwefel enthält. Man könnte auch sagen, dass sie für die Raffinerien die Sondermüllverbrennung übernehmen.

Abhilfe wäre ohne Weiteres möglich, ist aber nicht in Sicht. Zum einen könnten die Reeder auf Verwendung von weniger schädlichen Brennstoffen verpflichtet werden. Flüssiggas wäre eine Option, langfristig auch Strom.

Zum anderen könnten schon sehr schnell in den Häfen Landstromanschlüsse zur Verfügung gestellt und obligatorisch gemacht werden. Dann könnten zumindest in den Häfen die Motoren stillstehen. In beiden Fällen bräuchte die EU nicht auf die internationale Gemeinschaft warten, sondern könnte aufgrund ihres Gewichts vorangehen.

In Kiel stehen inzwischen zumindest für die großen Skandinavienfähren, von denen mehrere die Hafenstadt täglich anlaufen, Stromanschlüsse zur Verfügung. Allerdings ist der Reederei Colorline, die die Fähren zwischen Kiel und Oslo betreibt, der Strom zu teuer, wie der NDR auf seiner Webseite schreibt.

Vorgeschrieben ist die Verwendung bisher nicht. Die Reederei macht offensichtlich Druck, dass ihr ein Teil der EEG-Umlage erlassen wird. Dabei geht es um jährliche Kosten von maximal 240.000 Euro.

Die unter niederländischer Flagge fahrende "Zuiderdam" gehört übrigens zum weltgrößten Kreuzfahrtkonzern Carnival Corporation & plc. Dieser betreibt mehr als 100 vergleichbare Schiffe.

Dieser Tage hat eine Studie der Brüsseler NGO Transport & Environment (T&E) ergeben, dass die Schiffe dieses Konzerns mehr Schwefeloxide ausstoßen, als alle 260 Millionen auf den Straßen der EU fahrenden Pkw.*

Es fehle an effektiven Standards für den Schiffstreibstoff. Während die Schwefeloxid-Emissionen aus dem Straßenverkehr deutlich reduziert werden konnten, blieben die Schiffs-Emissionen auch nach der Einführung neuer Höchstgrenzen in 2020 voraussichtlich weiter hoch.

Die Luxuskreuzfahrer würden mit einem der dreckigsten denkbaren Brennstoffe betrieben, heißt es in einer Stellungnahme der Gruppe. Die am schlimmsten betroffenen Städte in Europa seien Barcelona, Palma de Mallorca und Venedig. In Deutschland haben vor allem Hamburg, Kiel und Warnemünde zu leiden.

Dabei sind die Schwefeloxide nicht das einzige von den Luxus-Kreuzern verursachte Gesundheitsproblem. Entlang der Küsten einiger Länder wie Norwegen, Dänemark, Griechenland, Kroatien oder Malta emittierten eine Handvoll Kreuzfahrer mehr Stickoxide als die Mehrheit der jeweiligen nationalen Pkw-Flotten, heißt es in der T&E-Stellungnahme.

Doch bevor hiesige Diesel-Fans nun "siehste" rufen, sollten sie sich zum einen darüber klar werden, dass der Anteil der Diesel-Pkw in kaum einem anderen Land so groß ist wie hierzulande und dass zum anderen in Deutschland das Verhältnis Küstenlänge zu Fläche und Bevölkerung sehr viel kleiner als in den genannten Ländern ist.

* Korrektur: An dieser Stelle hatte es zunächst geheißen, dass es weltweit 260 Millionen PkW gebe. Das ist leider hofnungslos untertrieben und ziemlicher Blödsinn, wie einige leser anmerkten. Wir bitten den Flüchtigkeitsfehler zu entschuldigen.