Kuba ist offenbar verkabelt

Daten weisen auf die Inbetriebnahme eines neuen Glasfaserkabels hin

Seit Anfang dieser Woche mehren sich die Anzeichen dafür, dass ein neues Glasfaserkabel zwischen Venezuela und Kuba zur globalen Übertragung von Internetdaten in Betrieb genommen wurde. Am Sonntag hatte ein Mitarbeiter des Internetunternehmens Renesys mit Sitz im US-Bundesstaat New Hampshire über eine signifikante Zunahme des Datenverkehrs berichtet. Seit dem 14. Januar habe die Geschwindigkeit zugenommen, schrieb Doug Madory in seinem Blog. Dies sei nur durch eine Inbetriebnahme des Glasfiberkabels ALBA-1 zu erklären, das im Februar 2011 von Venezuela aus im Osten Kubas an Land gelegt wurde.

Madory liefert zugleich eine technische Begründung für seine These. Bislang habe Kuba drei Satellitenprovider genutzt. Weil die Datenpakete jeweils rund 70.000 Kilometer zurücklegen mussten, trat eine messbare Verzögerung von 480 Millisekunden auf. Am Montag, den 14. Januar, wurde diese Verzögerung jedoch plötzlich auf 400 Millisekunden reduziert. Diese Geschwindigkeit weise darauf hin, „dass zumindest eine Richtung des Datenversandes terrestrisch betrieben wird. Komplett in Betrieb genommen sei das Kabel jedoch wohl nicht, weil die Raten dann erfahrungsgemäß zwischen 60 und 110 Millisekunden betragen, schreibt Madory weiter.

Während kubanische Stellen und Medien keine Inbetriebnahme vermeldeten, wurden Spekulationen verbreitet. Renesys selbst trug dazu mit der These bei, dass der spanische Konzern Telefónica das neue Kabel verwaltet, weil erhobene Daten darauf hingewiesen hätten. Die offenbar asymmetrische Nutzung nahm Autor Madory als Indiz für "Vorsatz oder Missmanagement". Beide Vermutungen wurden inzwischen in Frage gestellt. Telefónica bestätigte zwar Geschäfte mit Kuba, Unternehmenssprecher Miguel Ángel Garzón entgegnete aber: "Telefónica hat nichts mit dem ALBA-1-Kabel zu tun, das Kuba mit Venezuela verbindet.“ Am Dienstag korrigierte sich der Renesys-Mitarbeiter dann auch in Bezug auf die Gründe für die zunächst gedrosselte Datenmenge. Um kurz nach neun Uhr morgens lokaler Zeit habe sich die Übertragungsgeschwindigkeit mit Raten zwischen 180 und 220 Millisekunden erheblich verbessert. Auch Telepolis konnte dies nach Rücksprache mit Usern zwei verschiedener Netze in Kuba bestätigen.

Das nach der linksgerichteten Regionalorganisation Bolivarianische Alternative für Amerika benannte Kabel hatte in den vergangenen Monaten für viele Spekulationen gesorgt. Ursprünglich sollte die Verbindung im Sommer 2011 in Betrieb genommen werden. Bislang nicht geklärte Probleme verzögerten diese Zielvorgabe jedoch erheblich. Das Schweigen kubanischer Stellen schürte Gerüchte regierungskritischer Medien, die über angebliche Korruptionsfälle berichteten. Auch die These, dass ein falsches Kabel verlegt wurde, um Gelder abzuzweigen, kann nun wohl als widerlegt gelten.

Bereits im vergangenen Sommer hatte der venezolanische Wissenschafts- und Technologieminister Jorge Arreaza bestätigt, dass das Kabel funktioniert und dass es nun an den kubanischen Behörden liege, es in Betrieb zu nehmen. Dass dies nun geschehen ist, lässt eine andere Meldung vermuten. Seit diesem Montag wird der lateinamerikanische Nachrichtensender Telesur auch in Kuba live empfangen.

Die Verlegung des Kabels ALBA-1 wurde von Venezuela und Kuba vereinbart, weil die US-amerikanische Blockade gegen die sozialistische Regierung in Havanna den Anschluss an die bestehenden Unterseekabel bislang verhindert hat. Kubas Regierung hat indes mehrfach bekräftigt, dass bei der Bereitstellung von Internetressourcen nach sozialen Kriterien entschieden werde. Soziale Einrichtungen wie Schulen und wissenschaftliche Einrichtungen sowie Regierungsstellen würden bevorzugt. Eine rasche Privatisierung des Internets wird es in Kuba auch nach der wahrscheinlichen Inbetriebnahme der neuen Verbindung nicht geben.

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