Kubas revolución energética

In einigen Aspekten wie Refinanzierung über die Effizienz, Sozialkrediten und progressiven Stromtarifen vorbildlich

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2,55 Mio. Kühlschränke wurden ausgestauscht

Nach zwei Hurrikanen 2004 und 2005 war das marode Energiesystem in Kuba endgültig am Ende. Beinahe täglich gab es in weiten Teilen des Landes Stromausfälle. Allein 2005 kam es an 224 Tagen zu großflächigen Blackouts von jeweils mehr als einer Stunde. Betriebe und Haushalte lagen lahm. Anlass genug die Notbremse zu ziehen. Stilecht wurde gleich die "revolución energética" ausgerufen, ein staatlich verordnetes und gefördertes Modernisierungsprogramm nach dem Vorbild von Contractingmodellen: Die Umstellung auf effiziente Technik muss sich durch die eingesparte Energie gegenfinanzieren. Jetzt liegt der Abschlussbericht Energierevolution in Kuba. Ein Modell für den Klimaschutz? der deutschen Projektpartner vor.

Das Programm startete mit einem landesweiten Lampentauschprogramm. In knapp einem Jahr wurden von Sozialarbeitern und Studenten kostenlos über neun Millionen Glühlampen in privaten Haushalten gegen Kompaktleuchtstofflampen (Energiesparlampen) ausgetauscht. Geht man bei den 3,3 Millionen Haushalten pro Haus von durchschnittlich zwei 60 Watt-Lampen täglich über drei Stunden aus, so errechnet sich hieraus eine jährliche Einsparung von 3 bis 4 Prozent des kubanischen Stromverbrauchs. Dann wurden die weiteren Elektrogeräte erneuert. 1,04 Mio. Ventilatoren wurden kostenlos durch effizientere Geräte ersetzt. Je Gerät lag der Verbrauchsunterschied bei durchschnittlich 1000 Benutzungsstunden bei 60 bis 70 kWh pro Jahr. Damit amortisierten sich die Anschaffungskosten innerhalb eines Jahres.

Es folgten Austauschprogramme für Kühlschränke, Herde, Dampfdrucktöpfe, Fernsehapparate, Pumpen und Motoren, dezentrale Stromerzeugungsanlagen und Fahrzeuge für den öffentlichen Verkehr. Das meiste davon wurde über chinesische Konsumkredite eingekauft. Weshalb nicht immer die effizientesten Geräte angeschafft wurden. Dennoch brachte allein jeder der 2,55 Mio. ersetzten Uralt-Kühlschränke im Schnitt 350-550 kWh Stromersparnis pro Jahr, in der Summe eine jährliche Stromeinsparung von 1.148 Mio. kWh oder umgerechnet rund 230 Mio. Euro eingesparte Betriebskosten. Während Stromsparlampen und Ventilatoren kostenlos an die Haushalte abgegeben bzw. ausgetauscht wurden, mussten die Haushalte für den Kühlschranktausch rund 6.100 kubanische Pesos (ca. 180 Euro) zahlen.

All das vor dem Hintergrund, dass der Strom in Kuba immer noch sehr teuer in Erdölkraftwerken mit Kosten von 0,20 Euro/kWh erzeugt wird. Die Modernisierung bestand auf Erzeugerseite bisher vor allem in der Dezentralisierung, um beim erneuten Ausfall von Großkraftwerken oder Hurrikane-Unterbrechung des Transportnetzes abzusichern. Es wurden 1.531 Dieselgeneratoren mit einer Gesamtleistung von 3.072 MW installiert. Wind- und Solarkraftwerke kommen dagegen immer noch nur in netzfernen Gebieten zum Einsatz und liefern erst rund 2 Prozent des Stroms, immerhin wurden aber inzwischen 2.364 Schulen mit PV-Inselsystemen ausgestattet.

Es wurden aber nicht nur ineffiziente Altgeräte durch effizientere Geräte ersetzt. Parallel dazu wurden die Stromtarife innerhalb einer progressiven Tarifstruktur gestaffelt. Während die Strompreise für die unteren Verbrauchszonen unverändert blieben, stiegen die Tarife für Vielverbraucher deutlich an. Mit diesem Schritt wird einerseits ein teilweiser Abbau der bisherigen Subventionen des Energieverbrauchs angestrebt und andererseits soll ein verstärkter Anreiz zum Stromsparen gegeben werden, ohne dass die ärmsten Haushalte stärker belastet werden. Zudem wurde der Kauf von effizienten Haushaltsgeräten durch sogenannte Sozialkredite unterstützt. Sozialkredite deshalb, weil die Kreditbedingungen wie Zinssatz und Tilgungsdauer an die Einkommen und die Zahlungsfähigkeit der Haushalte angepasst wurden.

Insgesamt ergab sich durch die Investitionen in effizientere Technologien ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von etwa 10:1. Dies ist zu einem Teil auf die immer noch teuren Gestehungskosten für Strom und andererseits auf den Energiehunger der ersetzten, hoffnungslos veralteten Geräte zurückzuführen. Aber auch für deutsche Haushalte wurde bei Einführung effizienter Geräte ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 3:1 errechnet. Und die Staffelung der Strompreise hat Vorbildcharakter. Die Autoren empfehlen deshalb auch für Deutschland gestaffelte Tarife, die effiziente Stromnutzung mit günstigeren Tarifen fördern, also genau das Gegenteil der derzeitigen Praxis bei uns, die Großverbraucher weitgehend entlastet, ihnen Zugang zu den Börsenstrompreisen gibt und alle Umlagekosten nur den Wenig-Verbrauchern aufschultert.

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Die progressiven Stromtarife. Der Verbrauch kubanischer Haushalte beträgt pro Person im Durchschnitt 670 kWh pro Jahr (zum Vergleich: bei uns in Haushalten pro Person 1.110 kWh/a). Bilder: Abschlussbericht