Lass sofort meine Bytes los

Neben der Spur

Immer wieder lustig: Darf wie hier in Japan eine Frau angeklagt werden, weil sie den Avatar des Ex-Mannes gelöscht hat? Sie darf, und sie ist nicht die Einzige.

Die Geschichte ist so neu wie die knapper werdenden IP-Adressen im Internet: Yahoo News berichtet von einer verhafteten Japanerin, die aus Wut über eine gar zu überraschende Scheidung die digitale Identität ihres Ex-Gatten gelöscht hat. Immerhin wird sie wegen Hackens, nicht wegen Mordes angezeigt. Das ist ja schon einmal etwas. Pech auch für holländische Jugendliche, die wegen Diebstahls von virtuellen Waren zu 200 Stunden Sozialdienst verknackt wurden. Das Gesetz in den Niederlanden rechnet diese nichtmateriellen Dinge auch einem Besitz zu. Diebstahl bleibt also Diebstahl.

Schon Mitte der 90er berichtete Geert Lovink von einem Fall in de Digitale Stad, der als Konsequenz eines Avatar-Mordes eine digitale Gefängnisstrafe nach sich zog. Und nun stellt sich die Frage: Was und wen darf man eigentlich in einem virtuellen Spiel oder in Second Life noch um die Ecke bringen oder anrempeln, ohne zumindest wegen seelischer Grausamkeit in der nächsten - analogen - Zelle zu landen. Sicher: Wenn finanzieller Schaden in der "echten" (echt?) Welt entstünde, dann liesse sich kaum ohne gängiges Recht auskommen.

Auf der anderen Seite ist meinem Kollegen hier gerade der Teil einer Website vom Administrator gelöscht worden. An den Pranger mit dem Kerl und ausgepeitscht! Zurück: Avatare haben juristisch betrachtet keine eigene Rechtspersönlichkeit. Will heissen, wenn mein Avatar den Avatar von meinem Freund Willy in Second Life ein Riesenarschloch nennt, dann war das ich, denn er ist ja an die Handlungen von mir gebunden. Und wenn das nun den Willy beleidigt, dann kann das für mich Folgen haben. Nicht für den Avatar. Der hat ja kein Eigenleben. Das heisst ich stehe dafür gerade, auch wenn es irgendwann einen Rabauken-Patch geben sollte und das alles von einem Developper mit merkwürdigem Humor als selbstgenerierend implementiert wurde. Solange ich das nicht nachweisen kann, bin ich dran. Dann kann ich höchstens meinen Avatar löschen und ihn einen Saukerl nennen. Da mag der Hund, der blöde noch so jammern, vor mich hinknien und um mein Leben betteln. Ist mir wurscht, ich mach ihn NULL. Soll er doch schauen, wie er sich wehrt. Rechtsmittel dagegen hat er auf jeden Fall keine.

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