Lausitzer Kohle im Boden lassen?

Ein offener Brief an die IEA, das schwedische Energieministerium und Vattenfall provoziert die Frage nach der Klimastrategie Sachsens, Brandenburgs und Deutschlands

"Die Welt ist nicht auf dem Weg, das von den Regierungen vereinbarte Ziel zu erreichen, den langfristigen Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen auf 2°C zu begrenzen", lautet der erste Satz des neuesten Berichts der Internationalen Energieagentur (IEA) "Redrawing the energy-climate map". Akteure in der Lausitz schlagen nun vor, die dort lagernden Braunkohlevorräte im Boden zu belassen und wandten sich mit einem offenen Brief an den Chef der Internationalen Energieagentur Fatih Birol, Vattenfall CFO Ingrid Bonde und die schwedische Energieministerin Anna-Karin Hatt.

Birol, Bonde und Hatt diskutierten vorgestern, am 14. Juni, in Stockholm über den neuen IEA-Bericht im Rahmen einer Tour der IEA. Schweden ist das Mutterland von Vattenfall, Vattenfall seinerseits betreibt in der Lausitz die drei Braunkohlekraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg, die mit Kohle aus den umliegenden Tagebauen gefüttert werden. Die derzeitige Diskussion um die Erweiterung der Tagebaue trifft auf die Frage, ob angesichts des Klimawandels nicht Braunkohle im Lausitzer Boden verbleiben sollte.

Eine wirksame Begrenzung der CO2-Konzentrationen kann letztlich nur gelingen, wenn Kohlenstoffvorräte eben grade nicht genutzt, also in der Erdkruste belassen werden. Warum - so lautet die Frage hinter dem offenen Brief der Lausitzer - sollte man damit nicht in der Lausitz beginnen? Antwort haben die Initiatoren des Briefs bislang nicht erhalten.

450 ppm CO2 sind laut IEA die Zielmarke, die maximal erreicht werden darf, um den Temperaturanstieg auf 2°C zu begrenzen. Dies liegt völlig abseits der heute installierten und auch der neu angekündigten Energiepolitiken, bemerkt die Energieagentur. Um das 450-ppm-Ziel zu erreichen, müssten viel grundsätzlichere Energiepolitiken installiert werden.

Vier Politik-Elemente, die auf Basis existierender Technologien bereits in einzelnen Ländern erfolgreich eingesetzt werden, hat die IEA in einem neuen 4-for-2°C-Szenario zusammengestellt und empfiehlt deren sofortige weltweite Anwendung. Doch um das 2-Grad-Ziel langfristig einzuhalten, reicht das nicht. Dafür muss der Ausstoß auf 450 ppm begrenzt werden, was bedeutet, dass nur noch ein Bruchteil der heute bekannten fossilen Rohstoffe genutzt werden darf:

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Vergrößern Bild: IEA: "Redrawing the energy-climate map"
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