Legale Hehlerei

Beutegut kolonialer Raubzüge in Paris versteigert

Das Auktionshaus Christie's hat es geschafft,sich in China reichlich unbeliebt zu machen. Trotz der Intervention der chinesischen Regierung hatte es am Mittwoch zwei Bronze-Artefakte aus dem Nachlass des Modezars Yves Saint Laurains versteigert. Die beiden Brunnenfiguren, ein Kaninchen- und ein Rattenkopf aus dem 18. Jahrhundert, wurden 1860 geraubt, als während des zweiten Opiumkrieges britische und französische Truppen den Alten Sommerpalast (chinesisch Yuan Ming Yuan) der chinesischen Kaiser in der Nähe Beijings plünderten. Die europäischen Mächte hatten das Reich der Mitte zum wiederholten Male überfallen, um die Öffnung seiner Grenzen für ihre Händler zu erzwingen. Insbesondere ging es auch um den Absatz von Rauschgift, nämlich Opium, dass sich für die britischen Geschäftsleute zur Gelddruckmaschine entwickelt hatte. Der chinesischen Nationalökonomie wurde durch den erzwungenen Freihandel und den Kapitalabfluss aufgrund des schwunghaften Opium-Imports schwerer Schaden zugefügt, von dem sie sich erst 100 Jahre später zu erholen begann.

Die Erinnerung an diese Geschichte ist im heutigen China höchst lebendig, und die Frage der Rückgabe des Raubguts vom hohen symbolischen Wert. Eine Vereinigung für den Schutz chinesischer Kunst in Europa hatte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua vergeblich versucht, die Versteigerung gerichtlich zu stoppen. Auch Jackie Chan, Hongkongs bekanntester Filmstar, machte sich am Donnerstag für die Rückgabe stark. Eine Gruppe chinesischer Anwälte kündigte an, die bisher unbekannten neuen Besitzer ermitteln und die Rechtmäßigkeit des Besitzes anfechten zu wollen.