"Legale illegale Papiere"

Verfügten die Thüringer Fahrradnazis über Ausweisdokumente vom Verfassungsschutz?

Die Bild-Zeitung wartet heute mit einer "Information aus Sicherheitskreisen" auf, nach der das Thüringer Terrortrio, das mit Hilfe von Fahrrädern mehrere Morde und 14 Banküberfälle begangen haben soll, über "legale illegale Papiere" verfügte. Solche Dokumente werden zum Beispiel Personen ausgestellt, die für Geheimdienste arbeiten oder gearbeitet haben. Zudem will das Blatt in Erfahrung gebracht haben, dass der Thüringer Verfassungsschutz log, als er behauptete, es habe seit 1998 keinen Kontakt mehr zu einem der Drei gegeben. Zu ihrer Terrorgruppe "National-Sozialistischer Untergrund" (NSU) soll auch ein mittlerweile in der Nähe von Hannover ansässiger 37-jähriger Jenaer gehört haben, den die Polizei heute unter diesem Verdacht festnahm.

Der Spiegel berichtet währenddessen über eine 15-minütige Videoaufnahme, in der die Täter angeblich Fotos der Dönermordopfer zeigen und weitere Taten ankündigen. Auch ein 2004 vor einem Kölner Friseurgeschäft verübter Nagelbombenanschlag mit 22 Verletzten, bei dem der Sprengkörper auf einem abgestellten Fahrrad platziert war, soll danach auf das Konto der Gruppe gehen. DVDs mit dieser Aufnahme wurden angeblich in der Wohnung der drei Thüringer gefunden. Die DVDs sollen in Kuverts gelegen haben, die "an Medien und islamische Kulturzentren" adressiert waren.

Die Frage, warum sich die Täter erst viele Jahre nach Abreißen einer Mordserie zu den Taten bekennen sollten, können bislang weder das Nachrichtenmagazin noch Ermittler beantworten. An weniger präsenter Stelle berichtet der Spiegel von einem Aktenvermerk des Thüringer Landeskriminalamtes, in dem vermutet wird, dass Beate Z., Uwe B. und dem Udo-Lindenberg-Hörer Uwe M. das Untertauchen mit Hilfe eines Geheimdienstes gelang. Ein Polizist steckte dem Nachrichtenmagazin zudem, dass "die Spurenlage in dem Wohnmobil, in dem die Leichen der beiden gefunden wurden, nicht unbedingt auf einen gemeinsamen Suizid hin[deuten]" würde und dass Beate Z. bei der Polizei "Schutz gesucht" habe.

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