Lieber löschen als auslöschen

Facebook trackt ehemalige Angestellte und solche, die der Firma gedroht haben. Da können die noch so viel löschen wollen.

Fangen wir es anders herum an. Tweets kann man auf Twitter zwar löschen aber nicht ändern. Besonders ärgerlich, wenn die Autokorrektur aus "umtriebig" mal wieder "umbringen" gemacht hat und man dann genau dieses eine Wort nicht herausnehmen kann.

Joe Rogan von Twitter hat nun zwar angedeutet, dass man so etwas wie einen "clarify" Button einführen will, also eine Möglichkeit, Anmerkungen zu den Schnitzern setzen zu können. Etwa so etwas wie: "Also, das mit dem Umbringen ist jetzt vielleicht etwas hart formuliert." Editieren geht anders, Twitter benimmt sich weiterhin so, als wäre jeder Tweet in Stein gemeisselt. Da man Übertwitterer Trump ja vorwirft, eher mit dem ehemaligen Hammer & Sichel-Burschen herumzumachen, könnte ihm das entgegen kommen, alle andere sehen das ein wenig differenzierter. Zumindest eine EDIT-Funktion in den ersten Minuten nach dem Tweet könnte ja Sinn machen, dann kann man das Geschriebene ruhig für die Ewigkeit bannen. Für Bilder oder Videos wird es da wohl keinen Ansatz geben, außer zu löschen, ja, ich habe begriffen.

Warum ich das so auswalze, hat mit einer ganz anderen Social-Media-Plattform zu tun. Facebook liest sich Postings durchaus genauer durch, selbst wenn man sie nachher noch editiert (da kann man das zumindest tun). Vermutlich ist meine Suada weiter oben deshalb eh sinnlos, denn auch bearbeitete Aussagen von – sagen wir zum Beispiel – Stalkern und Facebookangestelltenmassenmördern lassen sich noch gut weiter verfolgen. Und Marc Zuckerberg hat einem internen Prozess stattgegeben, die Aufenthaltsorte von Personen via App zu tracken, deren Aussagen – sagen wir einmal – Facebook gegenüber nicht immer nur nett waren.

Diese Knilche (die mit den Aussagen) könnten ja Angestellten gefährlich sein. Deshalb will man sicher sein, dass die einen nicht mehr oder weniger zufällig den anderen in die Arme laufen. Gut, wir wissen nicht, was man mit Ehefrauen von Angestellten macht, die auf Facebook posten "wenn Du wieder am Samstag für Deine Scheißfirma arbeitest, werde ich Dich erwürgen", und dann kommt der Mann doch heim und trifft auf seine Gattin. Da kann man sich schwer vorstellen, dass sie von Snipern über den Haufen geballert wird, noch bevor sie ihrem Mann ein Bier aufmachen oder ihm im Wohnzimmer reinen Wein einschenken kann.

Es muss sich schon um ernstere Fälle handeln. Vielleicht eher um so etwas, wie es gerade im Umfeld von Netflix passiert ist, wo ein Bewaffneter vor den Studios gesichtet wurde.

Allerdings hier ein kleiner Tipp an Facebook: Die Verfolgung von potentiellen Straftätern liegt immer noch in der Hand der Staatsgewalten, nicht in der von einer Social-Media-Plattform. Wenn das überhand nähme, würde es nicht mehr lange dauern, bis mir mein Windows-Laptop um die Ohren flöge, nur weil ich gegoogelt habe.

Lassen wir die Kirche lieber im Dorf. Ich möchte Tweets editieren dürfen, weil es sich um Rechtschreibfehler und selten um eine Weltverschwörung handelt, wenn ich einzelne Wörter darin ausbessere. Und da scheinbar die Verfolgung und Verhinderung von Facebook-Hatern auch ohne das Zutun der Firma bisher gut funktioniert, brauchen wir auch keine Zuckerberg-Police. Die Exekutive ist selbst in den Shutdown erprobten USA noch recht gut in Schuss und auf Trapp.

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