Limonade stößt sauer auf

Neben der Spur

Beyoncé muss ja wohl: "Lemonade" ist vorerst nur auf Titan zu haben. Aber ein wenig konsequenter könnte sie hier schon weitermachen

Wenn der Ehemann und man selbst einen Streaming Dienst betreiben, dann macht es schon Sinn, zuerst einmal an das eigene Baby zu denken. So wie Beyoncé, die ihr angeblich überraschend aufgetauchtes Album exklusiv und derzeit nur auf Tidal zum Streamen gibt.

Allerdings kann man sich fragen, ob nicht jedes Popalbum irgendwie überraschend auftaucht. Schließlich gibt es selten den Fall, dass Menetekel an der Wand erscheinen, die da lauten "Sehet, der Engel gewaltige Stimmen hochjauchzen, und es wird da kommen eine knapp angezogene Mutter, und sie wird erschallen lassen ihren Gesang, der da lautet: Friede auf Erden und Pop in der Höhe"... Nein, das liest man selten in die Wolken geschrieben. Und wenn, dann ist es die Plattenfirma von Helene Fischer gewesen.

In diesem Falle also publiziert die beste Ehefrau von allen also ihr neuestes Werk mit Ausnahme eines kleinen Teaservideos nur hinter den Bezahlmauern von Tidal. Was soll sie auch machen, der Dienst läuft laut Gerüchten nicht so toll, wie sich das der beste Ehemann von allen einst vorgestellt hat.

Damit macht die Mutter ja nichts anderes als zum Beispiel auch der kürzlich verstorbene Quietscheonkel Prince. Den gibt es auch nur noch auf Tidal zu hören. Vorerst jedenfalls. Es sei denn, man downloaded sich für teures Geld die Werke zum Beispiel über iTunes. Da hört dann die Exklusivität schnell wieder auf. Aber bei Streamingdiensten verstehen manche Künstler keinen Spaß mehr.

Kein Wunder, dass nun andere Streamer wie Spotify das nicht wirklich lustig finden und deshalb das Ende der Menschheit einläuten. Das sei so unfair und übrigens auch schädlich für uns alle. Irgendwie.

Aber das kann es ja dann nicht gewesen sein. Ich wundere mich wirklich, dass diese Dienste sich nicht schon längst in einem Hinterzimmer getroffen haben, um den ganz großen Coup zu verabreden. Ich meine, es kann ja nicht sein, dass nur ein Streaming Dienst den einen oder anderen Künstler oder die Künstlerin exklusiv hat, dass Facebook Livevideo pusht, aber Netflix nichts davon wissen will. Die denken das doch alle nicht fertig. Dabei wäre es so einfach, und jeder Marketingmanager bekäme alleine von der Vorstellung einen inneren Tidal.

Ich möchte noch 2016, sagen wir beim neuen Album von Helene Fischer (nein, nein, das war natürlich ein Scherz, bitte einatmen, ausatmen...), ein ganz neues Konzept sehen, das wir meinetwegen "shared streaming" nennen können. Jeder Song, der wieder Bierzelte zum Kochen bringen wird, beginnt – sagen wir – bei Apple Music und wechselt dann GENAU IN DER MITTE zu Spotify über. Oder zu Tidal... obwohl Helene Fischer als Soul- und Funk-Sängerin ja nicht sooo bekannt sein dürfte. Was das für ein Potential hat, das ist unglaublich. Kunden müssen dann einfach alle drei Streaming-Dienste abonnieren, es geht gar nicht mehr anders. So geht Marketing. Bitteschön.

Und wem das nicht einleuchtet, der kann sich ja vorstellen, wie es wäre, die ersten 30 Filmminuten des nächsten Star-Wars-Films bei Netflix zu schauen, dann zu Amazon wechseln zu müssen und dann das Ende nur noch auf dem Exklusiv Streamer von Disney (natürlich zu einem total überrissenen Sonderpreis) finden zu können.

....klingt irgendwie beängstigend realistisch...

Anzeige