Linke sollen Piraten bespitzeln

Die Bundestagskandidatin Nicole Fritsche rief ihre Genossen dazu auf, in der Vergangenheit der Konkurrenz zu "forschen"

Unter dem Betreff: "Argumentationshilfe gegen Piraten" verschickte die Münchener Linkspartei-Bundestagskandidatin Nicole Fritsche am 25. Oktober eine Email an die Empfängergruppe "Kreise", in der sie auf einen Artikel zur NPD-Vergangenheit des ehemaligen Freisinger Kreisvorsitzenden der Piratenpartei aufmerksam machte und "anregte", dass ihre "liebe[n] Genossinnen und Genossen" auch "in der Vergangenheit" der örtlichen Konkurrenten von der Piratenpartei "forschen" sollten, weil man daraus resultierende Informationen "in Zeiten von bevorstehenden Wahlkämpfen in Land und Kommunen sicher gut verwerten" könne. Damit stieß die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte jedoch nicht überall auf ungeteilte Zustimmung.

Der Würzburger David Frühling schrieb als Reaktion darauf sogar einen [http://www.scharf-links.de/90.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=19443&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=d8a0220552 offenen Brief] an den bayerischen Linken-Landesvorstand und den Bundesvorstand, in dem er sich verwundert darüber zeigte, dass es nun seine Aufgabe sein soll, "Dossiers über Mitglieder anderer Parteien zu erstellen". Anstatt den "Weg der Denunziation und Observation" zu wählen, möchte Frühling den Wähler mit Argumenten und "ohne faule Tricks" überzeugen. Die Eurokrise bietet seiner Ansicht nach eine Gelegenheit "für eine politische Debatte auf höchstem Niveau", weshalb seine Partei ihr "nahezu historisches Tief" besser durch "Kompetenz in den Themen, die die Menschen in diesem Land bewegen" zu überwinden versuchen solle.

Deshalb forderte der Unterfranke die Bundestagskandidatin dazu auf, "sich umgehend von solchen Praktiken zu distanzieren und [ihre] Mail als fatalen Fehler ihrerseits darzustellen". Von den bayerischen Linken verlangte er eine Verurteilung des Bespitzelns politischer Wettbewerber und der Anstiftung dazu. Auf Telepolis-Anfragen danach, inwieweit sie diesen Aufforderungen Frühlings nachkommen, gaben bislang allerdings weder Fritsche noch ihr Landesvorstand eine Antwort.

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