Loveparade: Das Spiel mit getürkten Teilnehmerzahlen

Offenbar hat der Veranstalter mit Duldung der Verantwortlichen in den Städten die Zahlen schon für die Loveparade in Essen und Dortmund weit übertrieben

Bislang war es ein Rätsel, wie viele Menschen nun tatsächlich an der Loveparade in Duisburg teilgenommen haben. Die Rede war gar von bis zu 1,4 Millionen Teilnehmern, was die Panik auf der Rampe plausibel machen würde, schließlich war die Veranstaltung nur für 250.000 Menschen genehmigt worden. Die Veranstalter Lopavent kürzte die Teilnehmerzahl auf 200.000 herunter, die Polizei ging von höchstens 350.000 bis 400.000 Menschen in ganz Duisburg für den ganzen Tag aus ( Schuld sind die Anderen).

Wie DerWesten nun berichtet, hat der Veranstalter schon seit Jahren mit falschen Zahlen gehandelt, um das Image der Loveparade aufzuwerten. So sollen auf der Loveparade 2007 in Essen 1,2 Millionen Menschen gewesen sein, in Dortmund sogar 1,6 Millionen. Aber nach einem "streng vertraulichen" Dokument, aus dem DerWesten zitiert, hätten die wirklichen Zahlen "keinen Bezug zur offiziellen Besucherzahl für mediale Zwecke". Für die "öffentliche Besucherzahl" habe man einfach die Zahl der erwarteten Besucher verdreifacht, während man die wirklichen Zahlen geheim hielt.

Das wüssten auch die Verwaltungen, meint DerWesten. Und das klingt plausibel, schließlich schätzt nicht nur der Veranstalter große Zahlen, weil das mehr Aufmerksamkeit und mehr Geld bringt, sondern auch für die Städte sind solche Meta-Ereignisse eine Imagewerbung, wie man das ja nun auch wieder an Duisburg feststellen konnte. In Dortmund will die Stadtverwaltung an den 1,6 Millionen festhalten, aus dem Papier gehe aber hervor, dass dort die Fläche noch kleiner war als Duisburg. Erwartet wurden in Dortmund maximal 480.000 Menschen bei schönem Wetter, während es dann aber regnete. In Dortmund sollten es mehr Besucher sein als in Essen, daher habe man einen "Sicherheitsaufschlag" gemacht, wobei in Essen mit maximal 235.000 Besuchern gerechnet worden ist.

Angeblich hat der Veranstalter die Verantwortlichen der Stadt Duisburg gebeten, die wirklichen Zahlen geheim zu halten: "Eine Veröffentlichung dieser Zahlen könnte dem öffentlichen Ansehen der Veranstaltung immensen Schaden zuführen, was sicher weder im Interesse des Veranstalters liegt noch im Interesse der Stadt Duisburg", so soll es im Papier heißen. Das ist dann wohl im in Interesse des Veranstalters und dem scheinbaren Interesse der Stadtoberen auch so passiert.

Es geht nicht nur um Irreführung der Öffentlichkeit, sondern mit den weitaus niedrigeren Zahlen werden die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen noch einmal in einem anderen Licht dargestellt. Bislang ging man oft davon aus, dass man auf die vielen Besucher nicht eingestellt war, jetzt müsste man, nachdem tatsächlich nicht mehr, sondern eher weniger Menschen als genehmigt auf dem Platz waren, davon ausgehen, dass man nicht einmal für den erwarteten Besucherstrom vorgesorgt hat. Und man könnte sich denken, dass die Verantwortlichen dachten, dass angesichts der realistisch zu erwartenden Menge das Sicherheitsproblem der Unterführung und nur eines Zu- und Abganges über die Rampe wohl keine Rolle spielen sollte.

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