Machen die von Windkraftanlagen ausgehenden Geräusche krank?

Nach dem Bericht eines internationalen Expertenteams verursachen die Lärmemissionen keine direkte negative physiologische Wirkung, höchstens ein subjektives Gefühl der Belästigung.

2008 waren nach Schätzungen weltweit Windkraftanlagen mit über 120.000 MW installiert. Überall werden weitere Anlagen errichtet, um mehr erneuerbare Energie zu erzeugen und die CO2-Emissionen zu senken. Auch wenn sie allgemein von der Bevölkerung akzeptiert werden – Windmühlen gibt es schließlich seit Jahrhunderten -, so stoßen sie doch auf Ablehnung. Windkraftanlagen zerstören durch "Verspargelung" das ästhetische Landschaftsbild, was vielen nicht gefällt, zumal wenn die Türme immer höher werden und in Ländern wie Deutschland, die sowieso schon dicht besiedelt sind.

An den Lärmemissionen gab es bislang eher weniger Kritik, zumal die Windkrafträder immer leiser werden. In einem reinen Wohngebiet dürfen sie nicht lauter als 50 dB(A) während des Tages und während der Nacht nicht lauter als 35 dB(A) sein, was kaum hörbar ist. Die Schallabstrahlung hängt nicht nur vom Rotor, sondern auch von der Höhe des Turms, der Entfernung oder der Windstärke ab. Um zu klären, ob die mechanischen oder aerodynamischen Lärmemissionen von Windkraftanlagen oder deren Vibrationen gesundheitliche Risiken mit sich bringen, haben die American Wind Energy Association und die Canadian Wind Energy Association ein Expertenteam beauftragt, die vorliegenden Forschungsergebnisse durchzugehen.

Das internationale Expertenteam aus Ärzten, Audiologen und Akustikfachleuten hat nun seinen Bericht vorgelegt hat. Dort heißt es, es gebe keinen Hinweis darauf, dass hörbare und unter der Hörschwelle liegende Geräusche von Windkraftanlagen "eine direkte negative physiologische Wirkung" haben. Durchschnittlich würden die Lärmemissionen von Windkraftanlagen in einer Entfernung von 3-500m zwischen 40 und 50 dB(A) betragen. Zudem seien die Geräusche nicht einzigartig. Aufgrund der Lautstärke und der Frequenzen ließe sich auch aus der Forschung über Lärm am Arbeitsplatz sagen, dass davon keine negativen Folgen zu erwarten seien. Die Geräusche, die am Boden von Anlagen durch Vibration stehen, könnten von Menschen gar nicht gehört werden und diese auch nicht beeinträchtigen.

Das von Kritikern vorgebrachte "Windturbinen-Syndrom", bei dem durch Infraschall mit einer Frequenz von 1-2 Hz Störungen im Gleichgewichtssinn oder den inneren Organen entstehen sollen, gebe es wohl nicht. Verbreitet könne aber das Gefühl der Belästigung sein, das aber sehr subjektiv sei, auch wenn es teilweise mit der Hörsensibilität zusammen hängen könnte. Psychoakustische Parameter für unterschiedliche Reaktionen auf unterschiedliche Turbinen gebe es nicht. Vor allem werde das Geräusch der Rotorblätter als störend empfunden. Das Gefühl der Belästigung sei keine pathologische Diagnose und hänge unabhängig von der Geräuschintensität von "persönlichen Eigenschaften" ab.

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