Machos passen nicht in die moderne Alltagswelt

Hypermaskuline Männer betrachten Autos als einen Teil ihrer selbst, was im Straßenverkehr gefährlich werden könnte

Wir haben es doch gewusst. Machos sind nicht nur unangenehme Zeitgenosse, die sich überall aggressiv nach vorne drängeln müssen, als würden wir noch in der Steinzeit leben, sie gefährden mit ihrem schwächelndem Narzissmus oder ihrer erhöhten Risikobereitschaft auch ihre Mitmenschen.

Bestätigt haben dies Psychologen von der Universität Montreal. Für ihren Versuch ließen forderten sie 22 Männer auf, in einem Fahrsimulator einen anderen Wagen einzuholen. Den Versuchspersonen wurde nicht gesagt, dass sie Verkehrsregeln verletzen dürfen, wohl aber, dass andere die Aufgabe in sieben Minuten erledigt hätten. Getestet werden sollte die Hypothese, dass Männer desto mehr Risiken eingehen, desto Macho-artiger (hypermaskulin) sie sind. Julie Langlois stellte die Ergebnisse der Studie in einer Konferenz vor.

Um zu erkennen, welche Männer "hypermaskulin" sind, wurde der Auburn Differential Masculinity Inventory verwendet. Hier wird u.a. gefragt, ob Männer intellektuell besser als Frauen sind, ob es für Männer okay ist, beim Sex etwas rauer zu sein, ob der Sex interessanter wird, wenn sich Frauen zu wehren scheinen, ob Frauen geschlagen werden sollten, wenn sie zu unabhängig sind, ob Männer, die weinen, schwach sind, oder ob Männer in ihrem Verhalten aggressiver sein sollen. Sonderlich subtil ist der Test nicht, aber naja – und sicherlich könnte man auch den Macho raushängen lassen, wenn man es gar nicht ist.

Die hypermaskulinen Männer sollen sich nicht nur im Verkehr aggressiver verhalten, sondern auch schneller fahren. Nach Langlois sei aggressives Verhalten tief im männlichen Stereotyp verwurzelt und zeigt sich eben auch im Fahrverhalten, in dem sich die Männlichkeit ausdrückt. "Manche Männer entwickeln eine Fahrleidenschaft, die zum Obsessiven neigt", meint sie. "Sie betrachten Autos als eine Verlängerung ihrer selbst und werden extrem aggressiv, wenn sie angehupt oder geschnitten werden." Und wenn Autos ein Mittel sind, um Charaktereigenschaften auszudrücken, dann sind hypermaskuline Männer ein Sicherheitsrisiko im Verkehr, wo Zurückhaltung und Regelbeachtung erforderlich sind.

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