Magnete im Kopf

Britische Forscher finden möglichen Zusammenhang zwischen Feinstaubbelastung in Großstädten und Alzheimer-Erkrankungen

Es gibt viele Gründe, die gegen den motorisierten Individualverkehr sprechen und einer davon ist die Verwendung von Verbrennungsmotoren, die wesentlich zu den hohen Lärm- und Feinstaubbelastungen in unseren Städten beitragen. In Großbritannien, heißt es in einem Bericht auf der Internetseite des britischen Senders BBC, sterben an der Luftverschmutzung jährlich 50.000 Menschen. Verantwortlich sind neben dem Verkehr Kohlekraftwerke und Industriebetriebe. Weltweit, so schrieb die FAZ vor einem Jahr, beträgt die jährliche Zahl der Todesfälle in Folge von Luftverschmutzung 3,3 Millionen, davon 1,4 Millionen in China und 35.000 in Deutschland.

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Eine neue Studie, auf die BBC in seinem Beitrag aufmerksam gemacht hat, beschäftigt sich nun mit einem bisher wenig beachteten Feinstaubbestandteil: mit Magnetit. Magnetit ist ein magnetisches Mineral, das aus einer Verbindung aus Eisen und Sauerstoff besteht. Es ist unter anderem auch im Lavagestein zu finden. Wenn das Mineral aus einem Vulkan austritt und abkühlt richtet sich sein Magnetisierung nach dem Erdmagnetfeld aus. Die im Vulkangestein eingeschlossenen Kristalle dienen Geologen damit als Beleg dafür, dass sich das Erdmagnetfeld durch Vorgänge im Erdinneren in der Erdgeschichte in unregelmäßigen meist sehr großen Abständen umgekehrt hat.

Feinste Magnetit-Partikel haben die Forscher der Universität von Lancaster nun im Gehirngewebe von Großstadtmenschen gefunden. Das entsteht dort zwar auch auf natürlichem Wege, allerdings nicht in den festgestellten Mengen und vor allem unterscheiden sich die Feinstaubpartikel in der Form von den im Gehirn entstandenen Mineralien. Sie sind abgerundet, was ein deutlicher Beleg dafür ist, dass sie großer Hitze und mechanischen Reibungen ausgesetzt waren.

Und wie kommen diese Kristalle in das gewöhnlich vom Körper gut gegen Umweltgifte geschützte Gehrin? Die Wissenschaftler gehen davon aus, schreibt scinexx.de in einem Beitrag über die Studie, dass die Nanopartikel entlang des Riechnervs in die Nase gelangen. Andere Studien hätten gezeigt, dass Partikel bis zu einer Größe von 200 Nanometern dies könnten. Die Magnetit-Kristalle haben einen Durchmesser von rund 150 Nanometern. Zum Vergleich: Ein menschliches Kopfhaar ist mindestens 50.000 Nanometer dick.

Hintergrund der Studie war der Verdacht, Magnetit könnte Alzheimer auslösen, jene Demenz-Krankheit, bei der meist betagte Menschen nach und nach ihr Gedächtnis und damit ihre Persönlichkeit verlieren. Die Wissenschaftler hatten hohe Magnetitkonzentrationen im Feinstaub der britischen Metropole Manchester gefunden und daraufhin Gehirn-Gewebe von 38 Menschen untersucht, die in Manchester und Mexiko-Stadt gelebt hatten. Der größere Teil von ihnen hatte an Alzheimer oder verwandten neurodegenerativen Erkrankungen gelitten.

Heraus kam bei ihrer Untersuchung eine leichte Korrelation, das heißt, ein gewisser statistischer Zusammenhang zwischen dem Grad der Magnetitbelastung und Alzheimer. In einem Teil der Fälle ging eine höhere Magnetitkonzentration im Gehirn mit den für Alzheimer typischen Plaques einher. Allerdings ist die Stichprobe, das heißt die Zahl der untersuchten Fälle, mit 38 relativ klein.

Außerdem sagt ein statistischer Zusammenhang noch nichts über biophysikalische Zusammenhänge aus. Denkbar ist immer auch eine gemeinsame, unbekannte Ursache, die sowohl die eine als auch die andere Größe beeinflusst. Die Studien-Autoren weisen daher darauf hin, dass mehr Forschung nötig ist, um ihre Ergebnisse zu untermauern oder gegebenenfalls auch verwerfen zu können.

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