Massenmörder Breivik zeigt keine Anzeichen einer psychischen Störung

Nach einem vom Gericht bestellten Gutachten wurde Breivik als unzurechnungsfähig diagnostiziert, Gefängnispsychologen und -psychiater, die ihn seit 5 Monaten beobachten, können dies nicht bestätigen

Der aus dem antiislamischen Dunstkreis kommende Massenmörder Anders Behring Breivik war im November von zwei Psychiatern als unzurechnungsfähig diagnostiziert worden. Er habe "bizarre Wahnvorstellungen" gehabt und leide unter einer "paranoiden Schizophrenie", lautete das Ergebnis des vorgelegten forensischen Berichts. Das könnten freilich dann viele in der rechten, antiislamischen und gegen Multikulturalismus kämpfenden Szene bis hin zum NSU für sich geltend machen bzw. so ließe sich ihre durch klare Feindbildung bestimmte Weltanschauung charakterisieren.

Die Diagnose hat für Norwegen einige Vorteile. Wäre Breivik, der ein Geständnis über die Ermordung von 77 Menschen abgelegt hat, zurechnungsfähig, müsste ihm nicht nur ein Mammutprozess gemacht werden, der vieles, gerade für die Betroffenen, wieder aufwirbeln würde und dem sendungsbewussten Ideologen eine Bühne böte, es könnte auch sein, dass der rechte antiislamische Terrorist nach der Höchststrafe von 21 Jahren wieder aus dem Gefängnis entlassen werden muss. Gilt der 32-Jährige hingegen als unzurechnungsfähiger Psychotiker kann er bis zum Ende seines Lebens in der Psychiatrie festgehalten werden. Damit würde aber auch seine Tat und deren Hintergründe nicht wirklich aufgearbeitet werden müssen.

Familienangehörige von Breiviks Opfern wollten aber nicht einfach dessen Abschiebung in die Psychiatrie akzeptieren. Sie haben ein zweites Gutachten verlangt, der Staatsanwalt Holden lehnt dies aber ab, da auch die Kommission keine Einsprüche erhaben habe. Auch Breivik selbst und sein Verteidiger wollen kein weiteres Gutachten, auch wenn sie das vorliegende kritisieren. Breivik selbst sieht sich nicht als psychisch krank.

Der Prozess wird Mitte April beginnen, nächste wird das Gericht entscheiden, ob ein weiteres psychiatrische Gutachten erhoben werden soll. Jetzt haben allerdings vier Gefängnispsychiater - und -psychologen sowie psychiatrisches Pflegepersonal, die Breivik seit der Inhaftierung fünf Monate lang beobachten konnten und diesen 80 Mal besucht hatten, berichtet, dass er keine Zeichen einer psychischen Erkrankung zeige und auch keine entsprechenden Medikamente erhalte. Er höre keine Stimmen, habe keine anderen Halluzinationen, halte Blickkontakt und seine Zelle in Ordnung, er sei psychisch stabil, meist normaler, manchmal guter Stimmung und aufmerksam, die Suizidgefahr sei niedrig

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