McColo und das Dosenfleisch

Neben der Spur

Die Washington Post berichtet über die Stummschaltung von McColo. Über deren Server liefen angeblich 75 Prozent der weltweit versandten Spam-Mails. Dann ist ja jetzt alles gut.

Es hört sich wie eine Siegesmeldung mit Fanfaren an: mit McColo gingen angeblich die Server offline, die für 75 Prozent des weltweit versandten Spam-Junk-was-auch-immer-Mailtraffics verantwortlich sind. Das ist eine Erleichterung, Bier auf, hinaus auf die Strassen. Jetzt wird es in Zukunft wieder You've got no mail heissen, wenn ich morgens meine Inbox abrufe.

Ja.

Spams sind scheinbar immer noch ein einträgliches Geschäft. Eine Untersuchung über den Wirkungsgrad der Ärgermails sagt, dass nur jede 12,5-millionste wirklich zu einem Kauf führt. Gerade mal sechs bis sieben Deutsche würden ein Päckchen Viagra kaufen, wenn ich sie alle anschreiben würde. Der Rest braucht das Zeug nicht.

Vermutlich gehen mehr Päckchen über den Ladentisch. Vermutlich weil es an manchen Orten schon zu mehr als einem Spam-Mail pro Tag gekommen sein soll, und dann machen die 25 übrigen Prozent an Mails nach dem Ende von McColo durchaus noch ein wenig Masse. Und vermutlich werden wegen der Lukrativität von Spam-Mails bald neue McColos in Erscheinung treten. Die Grenzkosten für elektronische Belästigung laufen gegen Null. Und solange der Umsatz damit stimmt, findet sich der Rest.

Es wäre eine spannende Frage, ob man das Spam-Geschäft nicht zum Zusammenbruch brächte, indem wir alle weltweit beschliessen würden, für einen Tag WIRKLICH ALLES zu bestellen, was da so reinkommt. Der Bedarf an Milliarden von Fahnenstangen, Viagra-Packungen und Schwanzverlängerungen könnte eine Schockreaktion für die globale Wirtschaft auslösen, gegen die Investment-Banken auf den Wühltischen der Wallstreet geradezu lächerlich wirken würden...war ein Witz...

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