Medien für Deppeles wie unsereins

Neben der Spur

Video und Audio sind ja toll, aber die Werkzeuge dazu können einen wahnsinnig machen. Knöpfe über Knöpfe, und irgendeiner tut immer das nicht, was man von ihm will - bisher

Die klassische Erfahrung, wenn man sich endlich ein virtuelles Studio wie Logic oder ein wenig Schnittsoftware wie Final Cut Pro (oder Dutzende von anderen, die es auf dem Markt gibt) herunter lädt: Teuer war es nicht, aber dann kommen die Nächte, in denen man einen Regler zieht und sich wundert, dass nichts passiert. Wo doch etwas passieren sollte.

Und wenn das Ding dann doch tut, was man von ihm erwartet, dann kommt dabei Zeug heraus, das man nicht einmal nachts um 2 auf RTL 2 senden wollte.

So einfach ist es dann scheinbar doch nicht, die tollsten Videos vom vergangene Urlaub selbst zu drehen und was Schönes drüber zu schmettern. Bisher.

Nun kann man sich ein wenig leichter machen im Leben und einfach KnowMe (derzeit nur auf dem Apple Store, kommt aber sicher bald auf Google Play ...) auf sein Smartphone laden und so idiotensicher Videos sogar mit Talkover herstellen und schneiden, dass die bald zu Hunderten die Timeline von Facebook besudeln werden. Also nicht mehr nur "schau mal, was ich eben für schönes Essen auf meinem Teller fotografieren kann", nein, jetzt wird es auch die "und jetzt esse ich es viel zu schnell und rede dabei"-Videos dazu geben. Can't wait.

Oder wir haben beschlossen, die tollsten Bass-Schlagzeug-Jodelstücke zu komponieren, die wir uns vorstellen können. Deshalb laden wir uns Apple Music Memos herunter und legen gleich los. Zuerst singen wir Zeilen ein wie "Vroni, i dadat gern unter Deinem Fensta stehen, nachat mecht i no dein Bulldog sehn" oder so. Es geht auch "BabyBaby, love me, love me", aber das jodelt sich im Refrain nicht so leicht. Kurz darauf drücken wir einfach auf das eingesungene File und können mit einem Tastendruck AUTOMATISCH Bass und Schlagzeug dazu kriegen. Und die vorgeschlagenen Akkorde für die Gitarre, die die Software gleich mit anzeigt. Gut, bei entsprechendem Jodel ist das Cmaj7-9 und folgende. Aber so genau nehmen wir es mit Tonhöhen in der Volksmusik eh nicht.

Und das alles eigentlich, indem man einen Daumen auf die Taste legt und nach getaner Tat wieder los lässt. Einfach geht es eigentlich nicht mehr.

So, und jetzt verschwenden wir gleich am Montagmorgen ein wenig Zeit, laden uns die beiden Apps herunter, machen Musik, dass es der Oma graust und filmen uns auch noch dabei. Und dann ab damit auf Facebook. Joseph Beuys hat mal gesagt, dass jeder ein Künstler sei.

Ob er es auch sein soll, das hat er nicht gesagt, aber hey: Was geht das den Beuys an, wenn man Follower hat.

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