Medienfront hält U-Boot unter der Wasseroberfläche

Moral deutscher Gatekeeper weiterhin vorbildlich

Seit mehreren Wochen ignoriert die Spiegelpresse eisern die schwedische U-Boot-Ente von 2015. So hatte mal wieder ein unbekanntes und daher russisches U-Boot die Schweden aufgeschreckt. Während vor Wochen die Behauptung des schwedischen Verteidigungsministers, bei der Sichtung des vermeintlich russischen U-Boots habe es sich um ein deutsches gehandelt, im Königreich für Augenreiben sorgte, enthielten die Qualitätsmedien hierzulande der deutschen Öffentlichkeit die nicht zum Narrativ passende Entlastung Russlands vor.

Nachdem die U-Boote sich also noch immer auf Irrfahrt im deutschen Blätterwald befinden, befragte nun gestern in der Bundespressekonferenz ein schwedischer Journalist den Sprecher der Hardthöhe, was ein deutsches U-Boot in den schwedischen Schären zu suchen habe. Die Empörung in politischen Kreisen in Stockholm sei groß. Dem Sprecher allerdings war dieser Sachverhalt, der in alternativen Medien schon lange kursiert, angeblich nicht einmal bekannt. Auch die Nachfrage des unabhängigen Journalisten Tilo Jung, ob ein vom Sprecher als deutsches bezeichnetes U-Boot immer zur deutschen Marine gehöre, vermochte der Sprecher nicht zu beantworten.

Peinlich waren die Wissenslücken des Sprechers auch deshalb, weil das Bundesministerium für Verteidigung bereits vor Wochen auf eine Anfrage des Dokumentarfilmers Dirk Pohlmann die Präsenz eines eigenen U-Boots im fraglichen Zeitpunkt bestritten hatte. Gegenüber Telepolis kommentierte Pohlmann, es sei für Schweden vermutlich einfacher, auf Deutschland zu zeigen als auf die USA.

Bei der historischen U-Boot-Desinformationskampagne in schwedischen Hoheitsgewässern der 1980er Jahre hatten die USA in Absprache mit schwedischen Militärs italienische U-Boote geschickt, um eine Verwicklung des Pentagons plausibel abstreiten zu können. Die unbekannten U-Boote sollten damals Russland in Misskredit bringen und die schwedische Bevölkerung in die Arme der NATO treiben.

Während die deutschen Medien die ursprüngliche Falschmeldung bis auf nun erste Ausnahmen nicht korrigieren, wird das Narrativ vom aggressiven russischen Bären weiterhin eifrig gepflegt, als ob es alternative Informationskanäle im Internetzeitalter gar nicht gäbe. An der Propaganda insbesondere des Hamburger Nachrichtenmagazins, das sich vor zwei Jahren mit dem Cover Stoppt Putin jetzt! gänzlich vom Journalismus verabschiedete, hat sich nichts geändert.

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