Medienwelt = Männerwelt

Die Gästelisten der öffentlich-rechtlichen Polittalks, aber auch anderer Sendungen (Kultur, Wissen, Sport, Satire) strotzen nur so vor Manneskraft

Wenn ich ARD oder ZDF anschalte, sehe ich entweder: a) nervige Kochshows, bei denen ich nicht mitessen darf, b) noch nervigere Musikantenstadl, bei denen ich nicht mithören will, oder c) nervtötende Polit-Talkshows, bei denen ich ständig alte, grauhaarige Männer in grauen Anzügen sehen muss.

Die Gästelisten der Öffentlich-Rechtlichen strotzen nur so vor Manneskraft. Ja, man müsste fast glauben, dass der Frauenanteil der bundesdeutschen Bevölkerung bei 10% liegt. Tut er aber nicht. Dennoch kommen im TV Frauen kaum zu Wort, wie auf der Internetseite "Goldener Medienpimmel" nachzulesen ist:

Die Polit-Talkshow Maybritt Illner (ZDF) hatte 2013 eine Frauenquote von 24%. Günther Jauch (ARD) lag bei 29% und Anne Will (ARD) bei 31%. Und auch hart aber fair (ARD) war mit 35% Frauenanteil nicht ganz so fair. In der Kabarettsendung Neues aus der Anstalt (ZDF) waren 2013 von 24 Gästen 22 männlich, macht eine Frauenquote von 8%. Auch Peter Voß fragt (3sat) lieber Männer, bei einer Frauenquote von ebenfalls 8%. Die Sendung Phoenix Diskussionen kommt auf eine Quote von 9%. Bei Unter den Linden (Phoenix) ging’s mit einer Frauenquote von 18% ebenfalls ziemlich männlich zu. Bei Thadeusz (RBB) lag die Quote bei 32%. Die heute show (ZDF) kommt auf 12% Frauenanteil, Markus Lanz (ZDF) auf 31% und bei Zimmer Frei! (WDR) gibt’s für Frauen (23%) kaum eine Unterkunft – geschweige denn, dass sie im Sportclub (NDR) zu Wort kommen, wo die Männerquote bei satten 95% liegt. In der renommierten Kulturzeit (3sat) lag der Frauenanteil unter den über zweihundert Gesprächspartnern 2013 bei mageren 18%. Von den unzähligen Sendungen hat einzig und allein der Presseclub (WDR) ein ausgewogenes 50-50-Verhältnis.

Bild: Nele Tabler/CC-BY-SA-3.0

Bis zum 25. Januar 2014 kann man online abstimmen, welches TV-Format den "Goldenen Medienpimmel" für das Jahr 2013 erhalten soll.

Männlein und Weiblein dürfen beim "Beitragsservice", dessen lückenlose Überwachung noch die NSA erblassen lässt, unterschiedslos blechen – selbst wenn sie sich das Programm der Öffentlich-Rechtlichen gar nicht antun wollen. Doch kaum schalten sie den Flimmerkasten an, sehen sie Heerscharen von Männern. Ganz zu schweigen davon, dass die Jüngeren ebenfalls kaum zu Wort kommen: Wer bitte, lädt denn schon mal junge Menschen in die ganzen Sendungen ein? Ja genau: Jene Generation, von der es immer heißt, dass sie den Mist ausbaden muss, den die älteren "Eliten" ihr einbrocken. Praktisch keine jungen Menschen weit und breit. Und eben auch kaum Frauen. Kein Wunder, sind doch 82 Prozent der Fernseh-Chefredakteure männlich, wie der Verein "Pro Quote" ermittelt hat.

Im aktuellen Bundestag sind von 631 Abgeordneten 230 Frauen, was 36,5% entspricht; Schlusslicht ist die CDU/CSU mit einer Frauenquote von 25%. Frauen verdienen bei gleicher Qualifikation noch immer 25% weniger als ihre männlichen Kollegen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen bildet treudoof die Schieflage der Gesellschaft ab, statt sie anzuprangern und sie zumindest bei der Auswahl der Gäste ein klein bisschen geradezurücken. It's a Man’s World – auch im Fernsehen. Schluss mit den Altherrenvereinen!

Patrick Spät lebt als freier Journalist und Autor in Berlin.

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