Mehr CIA für Afghanistan

Die Präsenz des US-Geheimdienstes in Afghanistan soll deutlich verstärkt werden

Die CIA und ihre Netzwerke in Afghanistan sind seit vielen Jahren ein unerschöpfliches Thema. Ob es nun, wie bei Alfred McCoys Buch "Die CIA und das Heroin", um die Rolle des amerikanischen Geheimdienstes bei der Drogen-Distribution geht (siehe dazu: Geheimdienst-Politik unter Drogeneinfluss), oder um Verbindungen mit dem Waffenhandel, mit dem pakistanischen Geheimdienst, mit Bin Laden, wie dies Steve Coll in seiner "The Secret History of the CIA" tut, oder um Verbindungen mit den Freiheitskämpfern, Mudschahedin, Taliban etc.: Geschichten über CIA-Strippenziehereien am Hindukusch gibt es viele. Doch wie viel Macht und Einfluss hat der legendäre amerikanische Geheimdienst in Afghanistan aktuell und tatsächlich?

Der amerikanische General Stanley A. McChrystal, Kommandeur der Nato- wie der US-Truppen in Afghanistan, will dort einen Surge amerikanischer Geheimdienstler. Insbesondere die CIA soll dort um größere Zahl neuer Mitarbeiter deutlich aufgestockt werden. Wieviele es genau sind, werde geheimgehalten, so die LA-Times, die heute darüber berichtet, klar sei, aber dass sich die CIA-Präsenz in Afghanistan mit früheren Außenstellen in Vietnam und in Irak messen lassen könne. Man schätzt, dass gegenwärtig 700 CIA-Angestellte in Afghanistan stationiert sind. Zum Vergleich: für 2001 liegt die Schätzung bei 150 Mitarbeitern, am Ende 2005 sollen es 300 gewesen sein - die Zahlen der amerikanischen Zeitung sind ohne Gewähr und dürften in Büchern wie in Foren mit anderen Angaben konfrontiert werden.

Dass es eine Verstärkung der CIA-Kräfte in Afghanistan geben wird, bestätigt auch CIA-Chef Panetta in einem Interview mit einer Nachrichtenagentur: „Die Fähigkeiten der Taliban haben enorm zugenommen. Militärs wie Zivilisten brauchen mehr Informationen.“

Die Zahl der Straßenbombenanschläge habe sich verdoppelt, präzisiert die LA-Times, die Angriffe auf Soldaten der Koalition seien raffinierter geworden, der Nachschub und Transfer von willigen Selbstmordattentätern unter Taliban-Gruppen habe sich deutlich entwickelt, die Taktik der Selbstmordangriffe selbst sei keimtückischer geworden, die Angriffe koordinierter, die Selbstmordattentäter würden nun öfter zusammen mit bewaffneten Kämpfern agieren, bevor sie sich in die Luft sprengen.

McChrystal, der im Irak durch rabiate Einsätze von verdeckt operierenden Kommandos und Spezialeinheiten von sich Reden gemacht hat, will diese Strategie für den Kampf gegen Aufständische nun auch intensiver in Afghanistan einsetzen. Laut LA-Times sollen die neuen CIA-Mitarbeiter insbesondere Special Forces verstärken. Mithilfe der Infrastruktur der CIA - einem Netzwerk von geheimen Basen und militärischen Außenposten, die über das ganze Land verteilt ist, und Nutzung technischer Möglichkeiten (z.B. Satellitenüberwachung) - sollen geheimdienstliche Informationen schneller als bisher von den Truppen in zielgenaue und hart zuschlagende Operationen umgesetzt werden. Der Zeitfaktor wird in dem Bericht der LA-Times verschiedentlich betont. Über die Taktik von McChrystals heißt es:

"He was able to plan during the day and do raids at night, sometimes multiple raids if he could move the information quickly enough. What he's trying to do is get his decision cycle quicker than the bad guys."

Aus dem Bericht, der sich auf ungenannte Regierungsquellen stützt, geht auch hervor, dass sich das "Zeitfenster" für den Einsatz in Afghanistan allmählich schließen würde. Angesichts der stetig nachlassenden Unterstützung der amerikanischen Öffentlichkeit werde die Zeit knapp, um den Trend mit Erfolgsnachrichten aufzuhalten oder umzukehren. Demgegenüber sind die mit der einheimischen Bevölkerung auf ganz andere Art vernetzten Taliban im Vorteil: Sie haben viel Zeit und - so wird wieder einmal hervorgehoben - nahezu unerschöpfliche Ressourcen.

Man darf - über etwaige militärische Einzelerfolge der CIA-verstärkten Spezialeinheiten hinaus - gespannt sein, wie das zweite große Ziel, das man jetzt neu ins Auge fasst, erreicht werden wird: die Bekämpfung der Korruption in Afghanistan. Man will, so heißt es, insbesondere die Verbindungen zwischen der politischen Führung und den Drogenbaronen verstärkt ins Visier nehmen. Ob sich Karsai und sein Bruder fürchten müssen?

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