Mehrheit der Japaner weiter gegen Neustart von Reaktoren

77 Prozent sind für einen Ausstiegsplan, in Fukushima gibt es weiter Probleme mit der Dekontamination des Kühlwassers

Noch sind in Japan alle 48 AKWs ausgeschaltet, aber die Regierung ist bestrebt, möglichst viele möglichst schnell wieder anzufahren und neue AKWs zu bauen. Für Regierungschef Shinzo Abe ist Atomenergie vor allem für die japanische Wirtschaft notwendig. Geplant ist, zuerst die beiden Reaktoren des AKW Sendai des Energiekonzerns Kyushu Electric Power anzufahren, wenn die Sicherheitsüberprüfungen abgeschlossen sind. Geplant ist das Anschalten im Laufe des Sommers. Am Wochenende gingen deswegen wieder Tausende von Menschen in Kagoshima auf die Straße, um dagegen zu protestieren.

Derweil gibt es in Fukushima weiter Probleme mit der Dekontamination des Kühlwassers. Gestern wurde das Reinigungssystem wieder ausgeschaltet, da in einer von drei Leitungen die radioaktiven Substanzen nicht ausreichend entfernt wurden. Nach Tepco war in dem durch das Reinigungssystem gelaufenen Wasser weiterhin eine radioaktive Belastung von 10 Millionen Becquerel pro Liter durch Beta-Strahlung wie Strontium gemessen worden. Normalerweise sollte der Wert bei nur einigen hundert Becquerel liegen.

Nach einer aktuellen Umfrage der Zeitung Asahi Shimbun ist mit 59 Prozent eine deutliche Mehrheit der Japaner gegen den Neustart der abgeschalteten Reaktoren und damit gegen die Energiepolitik der Regierung. Gerade einmal 28 Prozent sprechen sich dafür aus. Die Zeitung befragte am 15. Und 16 März 3400 Wahlberechtigte, wobei einige Teile der Fukushima-Präfektur nicht einbezogen wurden. Allerdings kamen nur 1721 gültige Antworten (51 Prozent) zurück, was die Umfrage mehr zu einem gewissen Stimmungsbild macht, ein Anspruch auf Repräsentativität kann wohl nicht erhoben werden. Womöglich sind die Atomkraftgegner aktiver als die Befürworter und die Gleichgültigen. Allerdings hatte die Zeitung dieselben Fragen bereits mehrmals in Umfragen im Januar sowie im September und Juli des letzten Jahres gestellt. Dabei sprach sich immer eine Mehrheit von 56 Prozent gegen einen Neustart aus.

Es sind mehr Männer als Frauen für einen Neustart. 77 Prozent sind für einen Ausstiegsplan, nur 14 Prozent sind dagegen. Die Angst vor einem weiteren Unfall ist noch groß. 36 Prozent sagen, sie seien sehr ängstlich, 50 Prozent haben eine gewisse Angst.Selbst bei den Befürwortern eines Neustarts der Reaktoren haben 69 Prozent Angst vor der Möglichkeit eines schweren Unfalls. Skeptisch und damit realistisch wird das Problem der Endlagerung der Brennstäbe gesehen, für 76 Prozent ist das hoch problematisch, für 19 bis zu einem gewissen Grad problematisch. Da bleiben nicht viele übrigen, die optimistisch sind.