Menschen bleiben kaum gesund, wenn sie die Erde verlassen

Florian Rötzer

Bei längerem Aufenthalt im Weltraum gedeihen die Bakterien, während das Immunsystem der Astronauten schwächelt.

Neben den psychischen und zwischenmenschlichen Belastungen und den Folgen der langen Aussetzung an die Schwerelosigkeit könnte es aber noch weitere ernste Probleme geben. Mit den Astronauten reisen als schwarze Passagiere auch Bakterien und andere Krankheitserreger mit. Der lange Aufenthalt schwächt aber nicht nur das menschliche Immunsystem, sondern macht die Erreger offenbar auch virulenter. Bevor sich Astronauten diesen möglichen Gefahren aussetzen, sollten, so schreiben Immunologen von der Universität Nancy und der Universität Luxemburg im Journal of Leukocyte Biology, Mittel entwickelt werden, um sie vor Infektionen zu schützen.

Die Immunologen weisen auf Studien hin, die das Risiko belegen. Sowohl bei Tieren als auch bei Menschen, die unter den Bedingungen des Weltraums leben, ist das Immunsystem deutlich schwächer als bei denjenigen, die sich auf der Erde aufhalten. Und bei Krankheitserregern wie Salmonelle, E. coli oder Staphylococcus hat man festgestellt, dass sie sich in der Schwerelosigkeit schneller reproduzieren, was zu einem erhöhten Krankheitsrisiko führt.

Luis Montaner, der Chefredakteur des Journal of Leukocyte Biology, interpretiert das Ergebnis der Studie gleich so, dass Menschen kaum gesund bleiben werden, wenn sie die Erde für längere Zeit verlassen: "Unglücklicherweise ist ein krankheitsfreies Überleben nach der Landung auf dem Mars oder der Aufbau einer Kolonie auf dem Mond problematisch, weil die Weltraumflugtechnik unserem Wissen, wie die Gesundheit der Menschen geschützt werden kann, weit voraus ist."