Merkel gut, Union pfui

Wegen Steinbrück würde kaum jemand die SPD wählen, die Union würde hingegen nicht wegen der Inhalte, sondern nur wegen Merkel gewählt werden - die Piraten sacken ab

Für die Piraten deutet der aktuelle DeutschlandTrend, der politische Wetterbericht, schlechte Aussichten an. Gerade einmal 3 Prozent lassen sich von ihnen begeistern. Damit sind sie sogar trotz oder weil Parteitag und Wahlprogramm hinter die Dauerloser von der FDP zurückgesackt, die sich bei 4 Prozent halten konnten. Auch der der Weihekult, den die Union für Angela Merkel als Retterin aus der Not auf ihrem Parteitag zelebriert hat, überzeugt die Menschen offenbar nicht. Die Union verlor einen Punkt, ist aber noch immer stark bei 39 Prozent.

Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass Schwarz-Gelb keine Chance haben dürfte, wenn nächstes Jahr gewählt wird. Trotz mancher Wahlgeschenke, die Union und FDP nicht immer in Einigkeit gestrickt haben, ist jedoch zu erwarten, dass die Wirtschaft mit der Eurokrise nicht anziehen, sondern eher wieder die "erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung" mit herunterziehen wird. Dass Schwarz-Gelb wieder regieren, glauben sowieso nur 9 Prozent, größere, aber wenig wahrscheinliche Chancen werden mit 13 Prozent Union und Grüne eingeräumt. Rot-Grün würden 28 Prozent wünschen, 33 Prozent weiterhin eine große Koalition.

Die SPD mit ihrem unglücklichen Kandidaten Steinbrück dümpelt mit 30 Prozent vor sich hin. Die Grünen halten sich zwar bei 14 Prozent, aber eine Regierungskoalition mit der SPD ist ebenso weit entfernt wie eine zwischen Schwarz und Gelb. Zwar tut man auf beiden so, als würde man voneinander nichts halten, aber wenn es darauf ankommt, dann werden auch Schwarz und Grün zueinander finden. Die Macht verführt. Natürlich könnte sein, dass bei den Grünen nicht die politische Überzeugung, sondern schlicht die Parteiräson dafür sprechen könnte, eine Koalition mit Union und Merkel zu meiden, um nicht ähnlich erdrückt zu werden wie zuvor SPD und FDP.

Zulegen konnten einzig die Linken, wenn auch nur einen Punkt auf nun 7 Prozent. Die Linken könnten das Zünglein auf der Waage sein, aber es ist kaum zu erwarten, dass SPD und Grüne über ihren weitgehend irrationalen Schatten hüpfen werden, schließlich sind die Linken auch nicht weniger unsicher als die Liberalen.

Bei der Beliebtheit ergeben sich seltsame Veränderungen. Westerwelle hat sich innenpolitisch offenbar lange genug zurückgehalten, um nun in der Anerkennung zu gewinnen. Merkel hat ein wenig verloren, Steinbrück aber auch. Eine Aufholjagd sieht anders aus, auch wenn Steinbrück, könnte man den Kanzler direkt wählen, nur noch 10 Prozent hinter Merkel liegt. Auch Schäuble büßt an Anerkennung ein, während de Maiziere, der Stille im Hintergrund, an Vertrauen gewinnt, Steinmeier ist weiter vor Steinbrück. Wirklich interessant ist, wie die Deutschen ticken. 44 Prozent sagen, sie würden die Union wegen Merkel wählen, nur 7 Prozent sagen, sie würden die Union wegen der Inhalte wählen. Hingegen würen 10 Prozent die SPD wegen Steinbrück, aber 43 Prozent wegen der Inhalte wählen. Von den anderen Parteien und Kandidaten wissen wir zwar nichts, aber es scheint doch so zu sein, dass "Mutti" ein großes Vertrauen genießt - unabhängig von allen Inhalten. Man folgt ihr, woraus man nur folgen kann, dass viele Deutsche politisch nicht ernst zu nehmen sind - und dass die SPD mit Steinbrück daneben liegt.