Merkwürdige Senkung der US-Arbeitslosenquote

Warum die Arbeitslosenzahl für die US-Regierung offiziell sinkt, wenn es mehr Arbeitlose gibt

Mit Erstaunen nimmt man die Nachricht zur Kenntnis, dass in den USA erneut die Arbeitslosenquote gesunken sein soll. Von 10 % im Dezember sei die Quote im Januar auf 9,7 % gefallen, teilte das Arbeitsministerium mit. Das hört sich gut an. Doch wie sich das mit der Tatsache verträgt, dass 20.000 Menschen mehr arbeitslos waren als im Vormonat, lässt dann doch an der Glaubwürdigkeit der Aussage zweifeln. Ohnehin hatten Analysten sogar damit gerechnet, dass es zur Trendwende bei der Stellenvernichtung kommen werde.

Doch die statistische Besonderheit ist nicht neu. Sie wurde schon aus im November 2009 bekannt. Da soll die Quote erstaunlicherweise nach vielen Monaten wieder gefallen sein, von 10,2 % auf 10 %. Dabei wurden auch damals 11.000 Arbeitslose mehr vermerkt. Dieses kreative Bilanzieren ließ sich auch im Dezember feststellen. Da soll nämlich die Quote auf 10 % stabil geblieben sein, obwohl 85.000 Menschen zusätzlich ihren Job verloren haben sollten. Doch die Angaben aus dem Ministerium werden auch deshalb immer merkwürdiger, weil nun nachträglich eingeräumt wurde, dass im Dezember tatsächlich sogar 150.000 weggefallen sind - also fast doppelt so viele, als noch Anfang Januar vermeldet.

Da drängt sich der Eindruck auf, dass die Administration Obama mit allen Mitteln die Statistik aufhübscht. Denn nach oben korrigieren musste das Arbeitsministerium noch weitere Angaben. Seit Dezember 2007 seien insgesamt 1,4 Millionen mehr Jobs verloren gegangen, als bisher bekannt gegeben wurde. So stellte die Behörde plötzlich fest, es seien insgesamt 8,4 Millionen. Seit 2007 hat sich die Zahl der Arbeitslosen in den USA also nun auch ganz offiziell von rund 7 Millionen auf nunmehr etwa 15 Millionen mehr als verdoppelt. Die Zahl der Amerikaner, die es schon aufgegeben haben, sich einem Job zu suchen, ist in einem Jahr von 734.000 auf 1,1 Millionen gestiegen. US-Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote tatsächlich eher bei 17 % als bei 10 % liegt.

Die offiziellen Angaben entfernen sich in der Krise immer stärker von der Realität, weil in den USA alle aus der Statistik fallen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind. Und so geht es immer mehr Menschen, weil auch die Zeit, um einen neuen Job zu finden, einen neuen Rekord erklommen hat. Durchschnittlich dauert es nun mehr als 30 Wochen. Dass an den offiziellen Zahlen einiges faul ist, zeigt sich auch, wenn man die offiziellen Arbeitslosenzahlen mit den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe vergleicht. Die Zahl ist in der vergangenen Woche um weitere 8.000 auf 480.000 gestiegen.

Da die Arbeitslosigkeit real weiter steigt, werden auch die Probleme am US-Immobilienmarkt größer. Auch wenn die gedopten Investmentbanken hohe Gewinne melden, geht das Bankensterben unvermindert weiter. Ende letzter Woche wurde von der US-Einlagensicherungsbehörde FDIC erneut eine Bank geschlossen. Es handelte sich um die 1st American State Bank of Minnesota mit Sitz in Hancok. Nun sind es im laufenden Jahr schon 16. Geht das in dem Tempo weiter, dann wird der Rekord von 140 im vergangenen Jahr geknackt werden. Das befürchtet sogar die FDIC, die nach ihrer Rettung durch die Mitgliedsbanken, dann in eine schwere Krise käme.

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