Meteorologen: 2015 ein historisches Jahr

In Australien wurde der Auftakt zum "global climate march" gemacht und die Weltmeteorologieorganisation berichtet von steigenden Temperaturen

Im australischen Brisbane wurde am heutigen Samstag (Ortszeit) der Anfang mit den Demonstrationen gemacht, auf denen heute und morgen in rund 150 Ländern Druck für wirksamen Klimaschutz gemacht werden soll. Nach einem Bericht des australischen Sneders ABC gingen down under 5000 Menschen auf die Straße. In Deutschland sind, wie berichtet, diverse Aktionen für den morgigen Sonntag geplant. Auch ein enger Berater des Papstes hat zwischenzeitlich in einem Brief an die katholischen Bischöfe dazu aufgerufen, sich dem – in Paris verbotenen – "global climate march" anzuschließen.

Unterdessen hat die Weltmeteorologieorganisation (WMO) einen Bericht über den Zustand des Klimas vorgelegt. Der werde aus verschiedenen Gründen Geschichte machen, meinte WMO-Generalsekretär Michel Jarraud bei der Vorstellung des Reports am Sitz der Organisation in Genf. Die Konzentration des Treibhausgases CO2 steige weiter und habe auf der Nordhalbkugel im Mittel über die drei Frühjahrsmonate erstmals 400 ppm (Millionstel Volumenanteile) überschritten. 280 ppm war das vorindustrielle Niveau, 450 ppm gilt als die Schwelle, jenseits derer eine globale Erwärmung um mehr als zwei Grad sehr wahrscheinlich wird.

Global annual average temperatures anomalies (relative to 1961-1990) based on an average of three global temperature data sets (HadCRUT.4.4.0.0, GISTEMP and NOAAGlobalTemp) from 1950 to 2014. The 2015 average is based on data from January to October. Bars are coloured according to whether the year was classified as an El Niño year (red), a La Niña year (blue) or an ENSO-neutral year (grey). Note uncertainty ranges are not shown, but are around 0.1°C. (Original Bildunterschrift der WMO) (Bild: WMO)

Außerdem werde 2015 sehr wahrscheinlich zum wärmsten Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Es sei außerdem wahrscheinlich, dass es im globalen Mittel erstmals etwas mehr als ein Grad Celsius wärmer als in der vorindustriellen Zeit sein wird. Eine vorläufige Abschätzung zeige, dass die globale Durchschnittstemperatur von Januar bis Oktober 2015 0,73 Grad Celsius über dem Mittel der Jahre 1961 bis 1990 (14 Grad Celsius) und etwa ein Grad Celsius über dem der Periode 1880 bis 1899 gelegen habe.

Die gegenwärtigen hohen Temperaturen hängen auch mit dem tropischen Wetterphänomen El Niño zusammen, das derzeit weite Teile des Pazifiks und der angrenzenden Regionen bestimmt und unter anderem auch mit besonders hohen Wassertemperaturen verbunden ist. El-Niño-Jahre sind im globalen Mittel meist besonders warm (siehe Grafik) - und da erwartet wird, dass die El-Niño-Bedingungen noch bis ins nächste Jahr hinein anhalten, werden aller Voraussicht nach auch die Monate November und Dezember weit überdurchschnittlich ausfallen.