Mexikos Journalisten protestieren

Das Land ist eines der gefährlichsten für Journalisten weltweit, doch Morde und Entführungen werden fast nie aufgeklärt

Allein in diesem Jahr wurden in Mexiko fast ein Dutzend Pressevertreter ermordet. Mexiko ist seit Jahren eines der gefährlichsten Länder für Journalisten weltweit. Das war unter dem konservativen Präsidenten Fox schon der Fall und hat sich unter seinem Nachfolger Calderón nicht verbessert. Mit seinem Krieg gegen die Drogenmafia hat sich die Lage für die Berichterstatter sogar noch deutlich verschlechtert. Wurden im letzten Jahr 7 Journalisten ermordet, lag das noch etwa im Durchschnitt. Denn im Zeitraum von 2000 bis 2009 sollen es 54 gewesen sein. Doch mit 10 oder 11, die Reporter ohne Grenzen im laufenden Jahr allein bis Juli angeben, ist die deutliche Zuspitzung der Lage abzulesen.

Für das "Ende der Straflosigkeit" und "gegen Angriffe auf Journalisten" sind am Samstag in Mexiko etwa 2.000 Journalisten auf die Straße gegangen. Die größte Versammlung fand dabei in der Hauptstadt statt. Während Medien in Europa von einem Protest gegen die "Drogenmafia" oder die "Kriminalität" sprechen, richtete sich der Protest tatsächlich aber gegen die Regierung. Denn die schützt die Journalisten nicht und die Verbrechen werden nur selten aufgeklärt. Deshalb zogen die Demonstranten auch in der Hauptstadt im Schweigemarsch zum Innenministerium.

Dass die Morde nur sehr selten aufgeklärt werden, hat auch damit zu tun, dass korrupte und marode Institutionen oft direkt mit den kriminellen Banden verbündet sind. So war der Auslöser dieser ersten Demonstration von Journalisten seit 20 Jahren die Entführung von vier Journalisten am 26. Juli am Gefängnis von Durango, als sie dort recherchierten und Aufnahmen gemacht haben. Das ist der Knast, das den Killerkommandos sogar als Operationsbasis fungierte. Hier zeigte sich erneut, dass staatliche Sicherheitsbehörden zum Teil direkt mit den Drogenkartellen verbunden sind. Die Direktorin des Knasts und Wächter werden nun von der Staatsanwaltschaft angeschuldigt, die Killerkommandos sogar mit Waffen und Fahrzeugen ausgestattet zu haben.

Während diese vier Journalisten ausnahmsweise wieder lebend auf freiem Fuß kamen, zwei wurden von den Entführern freigelassen und zwei andere von der Bundespolizei befreit, sind derzeit 11 Journalisten als verschwunden registriert. Unter ihnen befindet sich auch Ulises González García, Direktor der Wochenzeitung "La Opinión", der am 29. Juli entführt worden ist. "Bisher haben die Journalisten in aller Stille getrauert, doch die Schwere der derzeitigen Vorfälle, ihre Bedeutung für den Journalismus und noch stärker für die Bevölkerung, haben uns dazu gebracht, auf die Straße zu gehen, um Schutz und eine gemeinsame Verantwortlichkeit zu fordern", erklärten die Veranstalter des Protests. Für die Lage der Pressefreiheit in Mexiko interessieren sich auch die UNO und die OAS, die Sonderberichterstatter nach Mexiko entsandt haben, die bis zum 24. August vor Ort die Lage recherchieren werden.

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