Mit CO2-Speicherung gegen den Treibhauseffekt

Neben dem 19. UN-Klimagipfel, der im umgebauten Warschauer Stadion stattfindet, tagte am Sonntag und Montag der bislang größte Wirtschaftsgipfel zu Klimafragen

Veranstaltet wurde der Gipfel vom WBCSD (Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung) mit vielen Vertretern internationaler Konzerne. Die derzeit stockenden Verhandlungen brauchen die handlungsorientierte Pragmatik der Geschäftswelt, so WBCSD-Präsident Peter Bakker, man wolle "das Stadion”, in dem die Gespräche derzeit stockten, "nicht allein lassen”.

Die Denke der Business-Welt sei so einfach wie hilfreich, meint Bakker. Wenn Geschäftsleute die Fakten anerkennen, seien sie dazu bereit, lösungsorientiert zu handeln - die Klimaerwärmung würde schließlich auch die internationale Wirtschaftswelt nicht mehr bestreiten. Wissenschafltiche Erkenntnisse, übersetzt in Prioritäten, führten dann zu "must haves” und schließlich zur "action”.

Die Plattform action2020 soll Unternehmen einbinden, das "Zwei-Grad-Ziel” einzuhalten und die Emission von Kohlenstoff unter einer Billion Tonnen Kohlenstoff zu halten.

Doch so klartextmäßig ("straight”) wie es sich unter Geschäftleuten gehört, wurde es dann doch nicht. Ein Vertreter der Svenska Cellulosa AG, ein Konzern für Papier und Verpackung, pries die emissionreduzierende Wirkung der schwedischen Wälder als Modell für andere Länder. Siemens und Toyota verwiesen auf anlaufende Projekte, die zu emissionsärmeren Städten führten. Der Klimafonds der Vereinten Nationen ( Green Climate Fund), wurde vorgestellt, der jedoch noch über keine Gelder verfügt.

Ernüchternd wirkte der Klima-Experte des Mineralölkonzerns Shell, David Hone: ”Entweder versuchen wir, ohne Kohle Energie zu produzieren, oder wir versuchen, die Kohle klimafreundlicher zu nutzen." Der Bau von Kohlekraftwerken weltweit sei nicht aufzuhalten, es bleibe nur letztere Option. Hone verwies auf zwei indische Kohlekraftwerke, die sich gerade im Bau befinden; sie würden in den nächsten 50 Jahren 2,5 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen.

Shell setzt auf "CCS” – die Abspaltung des Treibhausgas CO2 im Kraftwerk und die geologische Lagerung. Zu den Kosten dieses Verfahrens gibt es jedoch noch keine verlässlichen Zahlen.

So ist auch der Energieriese ESKOM aus dem Kohle-Land Südafrika bereit für CCS. Der in Warschau anwesende Vorstandschef Zola Tsotsi wartet jedoch auf die entsprechenden Sicherheiten von der Politik, um diese Neuerungen einzuführen.

Gegner des Verfahrens warnen unter anderem vor den Gefahren durch Erdbeben und anderen Endlagerproblemen.

In Warschau, wo gerade parallel zum UN-Klimagipfel ein internationaler Gipfel der World-Coal-Association im Wirtschaftsministerium stattfindet, demonstrierten Ökologen mit dem Plakat "Saubere Kohle existiert nicht”. Dabei wurde eine acht Meter große Nachbildung einer menschlichen Lunge aufgestellt.