Mit Solar alleine

Auf der Fläche, auf der Energiepflanzen angebaut werden, könnte noch mehr Energie gewonnen werden, wenn man stattdessen Solaranlagen bauen würde.

Rechenbeispiele sind schön, weil sie Potenziale und Verhältnisse schnell aufzeigen. So steht gerade die Biomasse in letzter Zeit massiv in der Kritik: Monokulturen, die schlecht für die Umwelt sind; der Konflikt mit der Lebensmittelproduktion; und letzten Endes die bescheidene CO2- und Energiebilanz.

In der aktuellen Ausgabe kalkuliert das PV-Blatt Photon, dass die 2.5 Millionen Hektar, die bis 2010 für Energiepflanzen vorgesehen sind, zwar nur 10% des deutschen Spritkonsums decken würden, wenn sie aber mit PV-Anlagen überdeckt wären, würden die 2,5 Millionen Hektar ausreichen, um den gesamten Energiebedarf Deutschlands zu decken - ja, Sie haben richtig gelesen: nicht des gesamten Treibstoffbedarfs, sondern des Energiebedarfs für Transport, Strom, und Heizung zusammen.

Liegen solche Überlegungen in der Luft? Jedenfalls kam die Zeitschrift neue energie, ursprünglich ein Monatsblatt aus der Windbranche, in der aktuellen Ausgabe zu einem ähnlichen Befund: Rein rechnerisch würde ein Hektar PV 370.000 Kilowattstunden erzeugen - ein Hektar Raps ergibt dafür weniger als 15.000 Kilowattstunden Treibstoff.

Beide Zeitschriften gehen dabei nicht von zugepflasterten PV-Wiesen aus, sondern zwei Drittel der Fläche müsste offen bleiben, weil die um 30 Grad geneigten PV-Module sich sonst beschatten würden. Trotzdem: Rechenbeispiele sind irreführend. Hier ein paar Einwürfe:

1) Biosprit ist zumindest konkurrenzfähig, PV-Strom ist es noch nicht. Deshalb rechnet das Windblatt neue energie auch vor, dass man mit Windturbinen billiger wegkäme. 2) Der NIMBY-Widerstand gegen PV-Wiesen dürfte größer sein, als der gegen Rapsfelder 3) Wir haben kaum Elektrofahrzeuge, und kein Wandel ist in Sicht. 4) Es wäre für die Heizung noch viel billiger, würde man Warmwasseranlagen statt PV nutzen, wie die Zeitschrift Sonne, Wind & Wärme immer wieder ausgerechnet hat.

Unterem Strich bleibt: Es wäre denkbar, dass man das Öl durch Strom ersetzt, und das ist gut so, denn das Öl wird als erstes knapp und teuer. Aber dieser Umstieg verlangt eine Elektroautobahn, damit die E-Fahrzeuge längere Strecken zurücklegen können. Technisch kein Problem: Schließlich fahren die Züge der Deutschen Bahn auch mit Strom. Doch der Wandel wäre gewaltig und müsste Teil einer Politik aus Berlin sein, die noch weniger in Sicht ist.

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