Musik auf den Kopf

Neben der Spur

Komisch, Musik auf die Ohren scheint nicht mehr ganz im Trend zu liegen. Voll in die Augen und auf den Schädel aber schon

Noch einmal kurz zur Erinnerung: Seit den 80ern kann man Musik auch außerhalb der eigenen vier Wände genießen. Gut, konnte man schon mit einem Grundig-Tonband, wenn das erst einmal nach dem Start die Röhren angewärmt hatte. Jedenfalls im Garten, aber mit dem Sony Walkman (wirklich, liebe Kinder, das war der letzte Schrei Anfang der 80er, also im vergangenen Jahrhundert) konnte man...laufen... und dabei Musik auf die Ohren kriegen. Ging besser als mit dem Zeug da. Und vor allem ging es immer wieder auf die Ohren.

Aber das ist ja jetzt vorbei.

Jetzt kriegt man Musik voll auf den Schädel. Zum Beispiel mit dem Batband, das bescheuert aussieht und den Sound durch die Schädeldecke direkt mitten ins Gehirn hämmert. Nun, ob das bescheuerter aussieht als zwei melonengroße Ausbuchtungen um die Ohren herum zu tragen, das muss schon jeder selbst für sich klären. Allerdings kann das etwas merkwürdige Promovideo nicht ganz klar machen, was nun der Vorteil von einer direkten Übertragung ohne Ohrmuschelkontakt ist.

Angeblich bleiben so die Ohren für die Umweltgeräusche frei. Man kann angeblich immer noch sozial interagieren...wenn denn jemand mit einem Menschen sprechen will, der aussieht wie ein Roboter mit wippendem Knie. Vielleicht ist ja die Tonqualität irgendwie anders als bei herkömmlichen Kopfhörern. Vielleicht hören die, die sich in den 80ern ihre Trommelfelle mit einem Sony rausgelassen haben, nun zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder mehr.

Keine Ahnung.

Für alle, die wirklich nix mehr hören, auch wenn man ihnen den Beat direkt durch den Hintern ins Gehirn bläst, gibt es immer noch mit aufkommenden VR-Anwendungen die Möglichkeit, sich mit Audioshield und den eigenen virtuellen Fäusten gegen in Kugeln umgerechnete Musik zu wehren. Dolle Sache. Vermutlich ist die Kombination von Batband und Audioshield dann eine unschlagbare Sache. Man fuchtelt unter der VR-Brille in einen 140 bpm Rave herum und ist dabei für die Außenwelt per Ohr immer noch sozial gut erreichbar.

Und diese Außenwelt sagt dann leise aber doch deutlich:

"Mensch, Du hast sie doch nicht mehr alle, oder? Setz Dich hin und hör Dir in Ruhe die Musik an. Bitte setz Dich hin, Du schädelbeschallter Hampelmann."

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