My Smartphone macht Boum Boum

Neben der Spur

Früher waren Mobiltelefone geradezu niedlich ungefährlich. Heute sind sie Sprengsätze. Kein Wunder, wenn man sie aus Helikoptern wirft

Um gleich an alte Zeiten zu erinnern: Vor nicht allzu langer Zeit noch gab es bei einer Reise in die USA nur die Frage, ob es wirklich so ratsam sein könnte, eine Reclam-Ausgabe des Korans mit ins Handgepäck zu nehmen und diesen bei der Einreise locker auf den Tresen der Passkontrolle zu legen.

Heute ist man sich eher unsicher, ob man ein Smartphone mit in die Tasche stecken soll. OK, man darf theoretisch in vielen Flugzeugen inzwischen online bleiben. Aber darum geht es nicht. Das Samsung Galaxy Note 7 geht unter Profis inzwischen ja eher als bequeme Einmann-Sprengladung durch. Ich warte ja persönlich nur darauf, dass ein bärtiger junger Mann mit Schweißtropfen auf der Stirn das Samsung aus der Tasche zieht und der Erste neben ihm brüllt entsetzt: "In Deckung, er hat ein Galaxy Note 7."

Kein Wunder, dass der Junge schwitzt, man muss kein verirrter Fanatiker mit Hang zur Selbstsprengung sein, um so ein Smartphone zu besitzen, aber es kann der Sache dienlich sein. Denn inzwischen verklagen einzelne sogar Samsung wegen des Dings. Weil ihnen der Hörknochen in der Hose hochgegangen ist. Und nein: Das ist nicht lustig.

Und wer meint, dass ihm das mit einem Produkt von Apple nicht passieren könnte, der hat noch nicht die aktuelle Gefahrenlage studiert. Da berichten inzwischen die ersten User, das neue Teil aus Cupertino mache "entsetzliche" Geräusche, wenn es unter starkem Einsatz sei. So als ob das iPhone 7 mit einem "ich kann nicht mehr, mir wird das alles zu viel" gerade überlege, angesichts der zunehmenden Datenvolumina den Geist aufzugeben.

Ich würde es mal zur Sicherheit nicht in der Hose tragen oder damit auf einem Flughafen herumwedeln.

Aber es ist doch kein Wunder, wenn die Smartphones der aktuellen Generation einfach keine Lust mehr haben und sich das Leben nehmen. Das hat nichts mit radikalen Weltsichten zu tun. Oder eben doch. Inzwischen werden sie halb ertränkt oder aus einem Helikopter geworfen. So, als ob wir Nutzer ständig auf dem Weg zur Arbeit als Navy Seal über der Küste unserer Stadt abgeworfen werden, nur um dann durch die Abwasserkanalisation ins Büro einzudringen und patschnass ein fröhliches "Moin, Scheff" von uns zu lassen.

Das ist doch übertrieben.

In Wirklichkeit sind die neuesten Modelle von Samsung und Apple längst über unsere Bedürfnisse hinaus hochgeschraubt und reagieren wie überzüchtete Prachtbullen. ... mit dem Unterschied vielleicht, dass man die armen Tiere nicht aus Helikoptern wirft oder sie zwingt, sich in unbequemen Hosen in die Luft zu sprengen.

Anzeige