NSA sabotiert Aprilscherze

Nach Angry Birds: Spaßvögel in der Krise

Ein Großteil der Medien und Blogs verzichteten dieses Jahr bewusst auf die Aprilscherze. Als Grund hierfür wird durchgängig die von der NSA geprägte Nachrichtenlage genannt, deren realsatirischer Gehalt keine Parodie mehr zulasse. Im Gegenteil fiel es bereits bei seriösen Meldungen schwer, etwa das absurde Interesse der US-Geheimdienste an privatem Pornokonsum, an World of Warcraft oder gar an Angry Birds als glaubhafte Nachrichten zu präsentieren. Das bekannte Blog netzpolitik.org streckte denn auch die Waffen und erklärte ausdrücklich, sich keine abstruseren Meldungen mehr ausdenken zu können. Die Krise erreichte selbst satirische Schwergewichte wie den Postillion, der sich unter einem fadenscheinigen Vorwand Aprilscherzen verweigerte.

Auch die Politik verzichtete diesmal überwiegend auf den traditionellen Ulk. Zu den wenigen Ausnahmen gehörte Energieexperte Michael Fuchs, der gelegentlich durch seine Kontakte zu einer dem britischen Geheimdienst nahestehenden Beratungsfirma auffiel: So ließ Fuchs das Magazin SPIEGEL wissen, "Fracking dürfe nicht wie die Kernkraft zur Risikotechnologie abgestempelt werden". Die Kollegen bewiesen trockenen Humor und brachten den Kommentar ohne jeden Hinweis auf das Datum.

Aus ungeklärter Ursache geriet gestern ein vorbereiteter Aprilscherz von Wolfgang Schäuble vorzeitig an die Medien. So hatte Schäuble selbstironisch seinen einstigen Chef Helmut Kohl parodiert und dem Präsidenten der russischen Föderation einen Nazivergleich angediehen. Nicht auszuschließen ist, dass die NSA und das GCHQ ihre Finger im Spiel hatten, um Schäuble bei der hierüber nicht amüsierten Kanzlerin in Misskredit zu bringen. Hätte man derartige Verdächtigungen noch vor einem Jahr als Verschwörungshirngespinste abgetan, so liegt das Handbuch des GCHQ für solche Störmanöver inzwischen offen - leider kein Aprilscherz.

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