NSA sauer: Türkei schaltet Spionagedienst "Twitter" ab

Rückschläge für Big Data befürchtet

Fort Meade/Istanbul. Die National Security Agency (NSA) ist vermutlich verärgert über den Schritt des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, den Social-Media-Dienst "Twitter" zu sperren. Hierdurch entstehen der NSA empfindliche Lücken bei der Überwachung der Bevölkerung des NATO-Partners. So ist der populäre Dienst Twitter aufgrund der mobilen Nutzung ein wesentliches Werkzeug zur effizienten Erstellung von Persönlichkeitsprofilen. Die NSA ist auf diese Weise über Schlafgewohnheiten informiert, kennt häufig den Aufenthaltsort und kann anhand von Textproben auf die Rechtschreibkompetenz schließen. Vor allem aber erlaubt Twitter denkbar effizientes Ausspähen von Kontakten. Musste man früher etwa Organisationen und Parteien unterwandern, lassen sich Freund- und Feindschaften vor allem durch Twitter transparent auswerten.

Das durch die Sperrung verursachte Defizit an Social Intelligence (SocInt) muss nun mühsam durch Facebook, E-Mail-Analyse, GSM-Tracking und Pornintelligence (PornInt) kompensiert werden. Durch die Sperrung von Twitter ermutigt man die Bevölkerung zu verschlüsselter Kommunikation und VPN-Tunneln ins Ausland, welche die Überwachung auch langfristig erschweren. Unter NATO-Partnern ist derartige Sabotage in höchstem Maße unkollegial.

Ministerpräsident Erdogan hatte Twitter komplett sperren lassen, weil auf diese Plattform immer wieder Links zu Telefonmitschnitten über ein angebliches Telefonat zwischen Erdogan und einem Sohn geteilt wurden, in welchem er sich über Steueroptimierung von 30 Millionen € unterhalten haben soll. Die türkische Bevölkerung bedurfte daraufhin des Schutzes vor diesen Gerüchten, da man ihr nicht zutraute, derartige Lügen von denen der Regierung zu unterscheiden. Da die Sperrung von Twitter umgangen werden kann, ist mit einer Sperrung der Kommunikation mit dem Ausland zu rechnen. Auch hierzulande hatten sich Politiker für Sperrinfrastruktur ausgesprochen. Vor allem Ursula von der Leyen wurde der Wunsch nach Zensur vorgeworfen, obwohl sie keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Die inzwischen zur Verteidigungsministerin aufgestiegene Politikerin konnte sich jedoch inzwischen rehabilitieren, weil sie die international eingesetzten Streitkräfte familienfreundlicher gestalten will.

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