Negativrekord bei den Geburten

Allein zwischen 2008 und 2009 ist die Zahl der Geburten in Deutschland um 3,6 Prozent gesunken

Es schrumpfen nicht nur Städte vor allem im Osten Deutschlands oder die Bevölkerung auf dem Land, auch die Gesamteinwohnerzahl schrumpft. Deutschland wird leerer - und natürlich älter. Während die einen wie der hessische Ministerpräsident Koch auf die älteren Bürger setzen und vorschlagen, bei den jungen Menschen im Bereich Bildung und Kindertagesstätten zu sparen (Frank Schirrmacher hat dazu in der FAZ einen interessanten Kommentar geschrieben), dürfte der Kampf zwischen den Städten und Kommunen heftiger werden, die immer weniger werdenden jungen, vor allem die gut ausgebildeten Menschen anzuziehen und zu halten ( Boom der Großstädte).

Noch ist der Bevölkerungsrückgang gering. Im letzten Jahr ist die Einwohnerzahl gegenüber 2008 nach der Schätzung des Statistischen Bundesamts um 0,3 Prozent zurückgegangen. Es starben weniger Menschen, es werden vor allem immer weniger geboren, so dass das Geburtendefizit 2009 bereits um die 190.000 liegt. 2008 lag das Geburtendefizit noch bei 168.000. Das ist ein drastischer Anstieg. Nach den neuen vorläufigen Zahlen sind 2009 mit 651.000 geborenen Kindern 3,6 Prozent weniger auf die Welt gekommen als noch 2008.

Immer mehr Frauen entscheiden sich gegen Kinder. "2008 hatten 21% der 40- bis 44-jährigen Frauen keine Kinder zur Welt gebracht", so ein Bericht des Statistischen Bundesamts vom letzten Jahr. "Dagegen waren unter den zehn Jahre älteren Frauen (Jahrgänge 1954 bis 1958) 16% und unter den zwanzig Jahre älteren (Jahrgänge 1944 bis 1948) nur 12% kinderlos. Von den Frauen zwischen 35 und 39 Jahren hatten 2008 26% noch keine Kinder, allerdings wird sich in dieser Altersgruppe der Anteil der kinderlosen Frauen noch vermindern." Dazu kommt, dass Frauen desto eher kinderlos sind, je gebildeter sie sind, was vor allem auf die Frauen in Westdeutschland zutrifft.

Im Ausland geborene und nach Deutschland zugewanderte Frauen sind weniger häufig kinderlos sind als der Durchschnitt - 13 Prozent bei den 35-44-jährigen, gegenüber 25 Prozent bei den hier geborenen Frauen. Obgleich bei den 25-34-jährigen Frauen mit Migrationshintergrund die deutsche Geburtenmüdigkeit auch bereits zuzuschlagen scheint, liegt die Kinderlosigkeit mit 39 Prozent doch noch weiter hinter der Frauen ohne Migrationshintergrund, die zu 61 Prozent noch keine Kinder haben.

Auch wenn nach diesen Zahlen in der Bundesrepublik 2009 ein Negativrekord bei den Geburten erzielt wurde, ist Deutschland weiterhin eines der am dichtesten bevölkerten Länder Europas. 230 Menschen leben auf einem Quadratkilometer, in der EU sind es durchschnittlich mit 116 gerade einmal die Hälfte.

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